"Skyline Records" gegen "Skylines"

Trotz Rechtsstreits: Netflix-Serie startet - und Anwalt schaut jetzt "Skylines"

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Jan Lehmann alias "Cousin JMF".

Lüdenscheid – Die Netflix-Serie „Skylines“ startet doch. Ein Frankfurter Plattenlabel wollte das im letzten Moment noch verhindern, wartet jetzt aber erst einmal ab. 

UPDATE 27. September: Im Streit um mögliche Namensrechtsverletzungen durch den Streaming-Anbieter Netflix zeichnet sich keine Einigung ab. 

Andreas Milch, Anwalt mit Lüdenscheider Wurzeln, und sein Mandant Jan Lehmann wollten eigentlich den heutigen Start der Netflix-Serie „Skylines“ verhindern. Das haben sie nicht geschafft. Die Serie startet am Freitag (27. September) wie geplant. „Wir werden den Start nicht verhindern, was nicht bedeutet, dass wir die Serie nicht weiter stoppen wollen“, sagt Milch. 

„Der Branchenriese Netflix stellt auf stur und lässt die Muskeln spielen“, erklärt der ehemalige Lüdenscheider Basketballspieler und heutige Rechtsanwalt auf Anfrage. Das Unternehmen habe innerhalb der Frist am vergangenen Freitag auf seine Unterlassungserklärung geantwortet: „Netflix hat alle Ansprüche als unbegründet zurückgewiesen und meinem Mandanten ebenfalls gedroht.“ 

Dieses sei aber zu erwarten gewesen. „Herr Lehmann wird sich davon nicht abschrecken lassen und ist weiterhin absolut entschlossen, seine Ansprüche gegen Netflix durchsetzen zu wollen“, sagt der Ex-Lüdenscheider. 

Der Frankfurter Rapper, der den Künstlernamen „Cousin JMF“ trägt, ist Chef des Plattenlabels „Skyline Records“. So lautet auch der Name der Plattenfirma in der Netflix-Serie, in der es um Drogen und Geld geht. Lehmann sieht Namensrechte und Persönlichkeitsrechte verletzt aufgrund weiterer Parallelen zu seiner eigenen Geschichte. 

Anwalt Milch hat seinem Mandanten geraten, die Serie starten zu lassen, „um zu sichten, welche Parallelen es sonst noch gibt, von denen wir bisher noch nichts wissen“. Eins steht laut Milch jedoch bereits fest: „Mit dem Streit werden sich die Gerichte befassen müssen.“

UPDATE 22. September: Weil er im Plot der Serie „Skylines“ Namensrechtsverletzungen sieht, hat Andreas Milch, Rechtsanwalt mit Lüdenscheider Wurzeln, dem Streaming-Giganten Netflix eine Unterlassungserklärung zukommen lassen. Im Namen seines Mandanten Jan Lehmann, dem Inhaber des realen Plattenlabels „Skyline Records“ will Milch die Serie noch vor der Premiere am 27. September stoppen. „Ich gehe davon aus, dass Netflix bis zum letzten Tag der Frist warten wird, um uns keine zusätzliche Zeit für den Eilrechtschutz zu gewähren“, hatte der 40-Jährige im Vorfeld des Fristendes am vergangenen Freitag gesagt – und lag damit richtig. 

Alles zur Serie "Skylines"

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, hat Netflix am Freitag auf die Unterlassungserklärung reagiert: „Wir haben auf den Brief geantwortet und der Gegenseite mitgeteilt, dass wir Ihre Ansprüche zurückweisen, da diese unbegründet sind“, sagte ein Netflix-Sprecher dem RND. Andreas Milch wird nun wie angekündigt versuchen, bei Gericht eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Ob sie bis zum Serienstart am Freitag vorliegt, hängt auch vom Gericht ab.

Erstmeldung vom 19. September:  Der Rechtsanwalt mit Lüdenscheider Wurzeln vertritt den Frankfurter Rapper Jan Lehmann alias „Cousin JMF“ im Kampf gegen den Streaming-Giganten. Es könnte sein bislang größter Fall werden. Am Freitag (20. September 2019) ist der erste Tag der Entscheidung. 

Die Serie spielt in der Frankfurter Hip-Hop-Szene und handelt von dem fiktiven Musiklabel „Skyline Records“. Doch es gibt nach Ansicht von Rechtsanwalt Milch unübersehbare Parallelen in die Wirklichkeit. 

Szene aus der neuen Serie. Bislang ist nur ein Trailer bekannt. 

In Frankfurt existiert tatsächlich eine Plattenfirma mit demselben Namen. Betreiber des echten Labels „Skyline Records“ ist Jan Lehmann. Die Firma besteht seit 2003 und hat ihren Sitz ausgerechnet in Frankfurt. Der Rapper hat deshalb Anwalt Andreas Milch beauftragt, die Netflix-Serie zu stoppen. 

Als der erste Trailer zur Serie am 31. August erschien, brach für Label-Chef Jan Lehmann eine Welt zusammen. Dort ging es um Geld, Drogen, Macht und Hip-Hop. „Weder sich noch sein Label möchte er mit Drogenhandel in Verbindung gebracht wissen. Lehmann möchte das Image seines Labels selbst bestimmen und nicht von einer Netflix-Serie verfremden lassen“, sagt Anwalt Milch, der 1999 sein Abitur an der Adolf-Reichwein-Schule in Lüdenscheid baute. 

Andreas Milch verbrachte Kind und Jugend in Lüdenscheid.

Sein Mandant ist Inhaber der Rechte an den Wortmarken „Skyline Records“ und „Skylines“. Ein Blick in das Register des Patent- und Markenamts bestätigt das. Die beiden Wortmarken wurden im Januar dieses Jahres angemeldet, zu jener Zeit hatte Netflix bereits über die Serie berichtet.

Die Internetseite des Plattenlabels gibt es nach Angaben von Anwalt Milch schon seit 2005. Aus diesem Jahr stammt auch die Eintragung in die Datenbank der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Seither habe das Frankfurter Label auch regelmäßig Veröffentlichungen auf den Weg gebracht.

„Es ist erschreckend, dass sich so ein großes Unternehmen nicht die Mühe macht, zu recherchieren. Oder aber, Netflix hat diesen Fakt einfach missachtet“, sagt Andreas Milch. 

„Eine einfache Google-Recherche hätte die Verantwortlichen der Serie sofort auf meine Seite oder Veröffentlichungen im Internet geführt. Selbstredend müssen die Macher der Serie gesehen haben, dass es mein Label, Skyline Records, in Frankfurt tatsächlich gibt“, sagt Label-Chef Lehmann. 

Ein Foto von Jan Lehmann vor der Frankfurter Skyline. 

Nicht zuletzt könnte die Serie die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verletzen, betont Milch, der mittlerweile in Gießen lebt und arbeitet. Zwar seien bislang nur die Sequenzen aus dem Trailer bekannt, doch die hätten es in sich. 

„Wir sagen nicht, seine Lebensgeschichte wurde nachgedreht. Aber es gibt einige Parallelen, die uns nachdenken lassen“, formuliert es der Rechtsanwalt. Der Protagonist der Serie heiße "JINN" und ähnele seinem Mandanten "JMF" auch optisch, sagt Milch.

In dem Trailer nehme Netflix zudem Bezug auf einen weiteren Charakter der Serie mit dem Namen „Momo“. Ein Künstler mit diesem Namen habe auch schon mit Lehmanns Label zusammengearbeitet, betont der Jurist, der noch etwas anderes merkwürdig findet:

In einem Interview mit dem Radiosender You-FM im Jahr 2005 hatte Jan Lehmann auf die Frage nach seinem Alias-Namen geantwortet: „Weil JMF cooler klingt als Jan“. In der Netflix-Serie soll der Schauspieler nun gesagt haben: „Weil JINN cooler klingt als Johannes.“

Anwalt Milch hat Netflix (weltweit 150 Millionen Abonnenten, 15 Milliarden Dollar Umsatz) Anfang September eine Unterlassungserklärung überstellt. Bislang hat das Unternehmen nicht geantwortet. Gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung hieß es, man werde sich schnellstmöglich bei der Gegenseite melden. Die Frist läuft am Freitag, 20. September 2019, ab. 

Erfolgt keine Reaktion wird Andreas Milch eine einstweilige Verfügung beantragen. „Unser Ziel ist es die Serie zu stoppen“, sagt der 40-Jährige und hofft, dass die Verfügung noch vor dem Serienstart am 27. September ergeht und Netflix zugestellt werden kann. 

Anwalt und Mandant kennen sich vom Basketball. In Lüdenscheid spielte Milch bei Rot-Weiß unter Trainer Amir Hujic in der Oberliga, hat auch heute noch gute Kontakt zu den ehemaligen Mannschaftskameraden in der Bergstadt. 

„Ich spiele seit meiner Kindheit. Dadurch bekommt man automatisch Kontakte in die Rap-Szene.“ So habe er auch Lehmann kennengelernt. Milch war als DJ aber auch musikalisch unterwegs, erst auf Gießener Unipartys, später dann in Frankfurt. Für Lehmanns Label habe er früher den Papierkram erledigt. 

Er sei kein „Seriengucker“, sagt Andreas Milch, der in seiner Jugend als freier Mitarbeiter für die Westfälische Rundschau arbeitete. Für den Fall, dass Netflix die Serie „Skylines“ trotz des Rechtsstreits zeigt, werde er sich die bislang abgedrehten sechs Folgen aber in jedem Fall anschauen – „aus privatem und beruflichem Interesse“, wie der Familienvater betont. 

Denn: „Sollte Netflix unsere Unterlassungserklärung schlichtweg ignorieren, stellt jeder Tag, an dem die Serie im Internet abrufbar ist, eine erneute Verletzung der Rechte meines Mandanten dar.“ So wird die Gangster-Serie für den Ex-Lüdenscheider zum Justiz-Krimi.

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