Amtsgericht: Zwei Jahre für „Dr. Apple“

Lüdenscheid - 137 Verfahren waren ursprünglich bei der Polizei anhängig, etliche davon stellte die Staatsanwaltschaft schon während der Ermittlungen ein. 41 Fälle landeten vor dem Erweiterten Schöffengericht, das 19 davon wiederum einstellte. Für die restlichen 24 Internet-Betrügereien hat der als „Dr. Apple“ bekannt gewordene Angeklagte (48) aus Lüdenscheid jetzt eine unerwartet milde Strafe erhalten: zwei Jahre Gefängnis.

Damit ist sicher, dass der Mann nach seiner vierten Verurteilung durch ein Lüdenscheider Gericht nun bis 2019 im Gefängnis bleibt. Genau so sicher erscheint es, dass etliche Opfer seiner Abzocke leer ausgehen werden. In vier der nun abgeurteilten Fälle geht es um jeweils mehr als 1000 Euro, in zehn Fällen erbeutete „Dr. Apple“ jeweils zwischen 500 und 1000 Euro. Weitere zehn Taten schlagen mit weniger als 500 Euro zu Buche.

Staatsanwalt Dr. Marco Klein forderte für jeden einzelnen Betrug Strafen zwischen sieben und zehn Monaten. In der Summe wären 190 Monate zu verhängen gewesen. Das Strafgesetzbuch sieht jedoch vor: „Die Gesamtstrafe darf die Summe der Einzelstrafen nicht erreichen.“ Die schwerste der beantragten Strafen soll demnach angemessen erhöht werden.

Was angemessen ist, erläutert der Vorsitzende des Erweiterten Schöffengerichts, Amtsrichter Jürgen Leichter, in seiner Urteilsbegründung. Das Gericht hält „Dr. Apple“ zugute, dass er letztlich doch ein Geständnis abgelegt hat. Immerhin hat der Angeklagte der Justiz damit eine äußerst zeitaufwändige und teure Beweisaufnahme mit Vernehmungen von mehr als 20 Zeugen aus der ganzen Republik und dem benachbarten Ausland erspart.

Die vom Angeklagten selbst als „sehr schwere Krankheit“ deklarierte manische Depression bedingt nach Auffassung der Richter zwar „eindeutig“ keine Schuldunfähigkeit, aber „ganz knapp eine eingeschränkte Schuldfähigkeit“, wie Leichter sagt. „Die sehr milde Bestrafung zeigt, wie sehr das Gericht auf die Erkrankung eingegangen ist“.

Damit hat Strafverteidigerin Andrea Schubert aus Düsseldorf das Ziel erreicht, für ihren Mandanten ein Urteil „mit Milde und Augenmaß“ herauszuholen. Der Angeklagte habe „nicht aus Wunsch nach Luxus“ gehandelt, keine Autos oder Yachten gekauft, sondern den Lebensstandard seiner Familie sichern wollen, so Schubert.

„Dr. Apple“ äußert sich „geplättet“ darüber, „das alles in seiner Gesamtheit zu hören“. Er setzt auf die Verlegung in den offenen Vollzug, möchte arbeiten und seine Schulden abbezahlen, wie er sagt. Auf Rechtsmittel verzichtet er nach kurzer Beratung mit seiner Verteidigerin. So auch der Staatsanwalt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Olaf Moos

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