Amtsgericht: „Zickenkrieg“ nachts auf dem Spielplatz

Lüdenscheid - Es geht um zwei junge Damen, eine 17-jährige Wirtschafts-Gymnasiastin und ihre Freundin, angehende Verkäuferin, 19 Jahre alt. Fingernägel frisch gestylt, Schminke dezent dosiert, Handtäschchen niedlich. Die Anklage lautet auf gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Der Tatort: der Spielplatz in der Kluse.

Auch eine der Zeuginnen, Studentin (24) des Wirtschaftsrechts, will so gar nicht in dieses Umfeld passen. Und doch: Am 10. April, kurz vor Mitternacht, kommt es zu einer wüsten Keilerei zwischen den jungen Damen. Die ältere der beiden Angeklagten soll eine Widersacherin an den Haaren zu Boden gerissen und auf sie eingeschlagen haben. Ihre Freundin habe mit „dem Füßchen“ nachgeholfen, wie der Richter mutmaßt. Das Opfer lässt Schürfwunden und Kopfschmerzen im Klinikum behandeln. Ein Attest liegt vor.

Wie kommen wohlsituierte junge Frauen aber nachts auf dieses Gelände? „Wir haben getrunken und gescherzt und gelacht“, sagt die 17-Jährige. „Wir wollten mit dem Hund dort spazieren gehen“, behauptet die Studentin. Die zweite Angeklagte „war doch stockbesoffen“, sagt Richter Jürgen Leichter – 2,3 Promille maß die Polizei.

Über die Entstehung des „Zickenkriegs“ gibt es höchst unterschiedliche Versionen in der Ermittlungsakte. Wer wen provoziert hat, wer zuerst zugeschlagen oder getreten hat – Aussage stehe gegen Aussage. Doch der Richter sagt, er habe keinen Grund, der Studentin nicht zu glauben.

Klar ist aber: Man kannte sich schon vorher. Die Vorgeschichte handelt von gegenseitigen Beleidigungen, enttäuschter Liebelei, von Stalking, nächtlichen Terror-Anrufen und kompromittierenden Fotos im Facebook. Amtsanwalt Desecar stimmt dem Richter zu: Hier muss es kein Urteil geben. Die Angeklagten werden ersatzweise zu je 35 Stunden sozialer Arbeit verdonnert. Sie erklären sich kleinlaut einverstanden.

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