Amtsgericht: „Wir haben uns nur noch gezofft“

Lüdenscheid - Dem Ende einer einst glücklichen Beziehung folgt eine Anzeige wegen Betruges, eine unschöne Begegnung vor Gericht und eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Das hat der zehnfach vorbestrafte Mann (29) vor allem dem Umstand zu verdanken, dass er als Bewährungsversager gilt. Und dass ihm Strafrichter Thomas Kabus weniger glaubt als seinem Ex-Freund.

Dabei klingt die Aussage des gelernten Anstreichers zunächst plausibel. Sein damaliger Lebengefährte habe per Internet „sehr oft irgendwelche Sachen bestellt“. Obwohl er „ständig klamm“ gewesen sei. So trudelten aus einem Versandhaus mal ein Teppich, mal eine Wolldecke, ein Computerspiel oder auch ein Tablet-PC und ein Heimkino in der gemeinsamen Wohnung an der Wehberger Straße ein. Vier Lieferungen innerhalb von neun Tagen. Der Angeklagte beteuert: „Ich habe nie was bestellt.“ Nur einmal habe er ein Paket entgegengenommen.

Der Verflossene (20) tritt in den Zeugenstand. Er habe nach der Trennung – „Wir haben uns nur noch gezofft, da bin ich ausgezogen“ – Rechnungen, Mahnungen und Inkasso-Drohungen bekommen. Er wartet sechs Monate, dann geht er zur Polizei und schwärzt seinen Ex an. Inzwischen tröpfeln für die Waren dann und wann Teilzahlungen in dem Versandhaus ein, 50 Euro hier, 50 Euro da. Vom Konto des Angeklagten. Der sagt, er habe für die Waren immer mal Bargeld von seinem Ex-Freund bekommen und dann überwiesen. Der Versandhändler bleibt schließlich auf einem Schaden von 238,97 Euro sitzen.

Das Problem des damals arbeitslosen Anstreichers ist: Wenn tagsüber die Postboten klingelten, war sein Freund nachweislich in Dortmund als Azubi im Einzelhandel tätig – quasi ein wasserdichtes Alibi. Auf den Auslieferungsbelegen steht aber der Name des Freundes. Oberamtsanwalt Lehmann bittet den Zeugen, mal einen Blick darauf zu werfen. Ergebnis: „Das ist nicht meine Unterschrift, ich schreibe ganz anders.“

Dass der 29-Jährige seinen neuen Job im Sommer 2014 „nicht rechtzeitig und falsch“ gegenüber dem Jobcenter deklariert hat, wie Richter Kabus sagt, bringt ihm den fünften Anklagevorwurf ein. In diesem Fall hat der Lüdenscheider die Allgemeinheit um 1236,68 Euro geprellt. Er bestreitet zwar einen Vorsatz und bietet die Rückzahlung an, aber es ist zu spät.

Lehmann beantragt sechs Monate Gefängnis ohne Bewährung. Für Richter Kabus wiegen die Indizien schwer. Und er verneint eine positive Sozialprognose. Das Urteil lautet: acht Monate Gefängnis.

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