Amtsgericht: „Vielleicht ‘Blöde Kuh’, aber nicht ‘Nutte’“

Lüdenscheid - Zwischen einigen Nachbarn an der Kölner Straße hängt der Haussegen schief. Das Urteil von Strafrichter Thomas Kabus dürfte da auch keinen Frieden bringen – im Gegenteil. Der Verurteilte, ein 45-jähriger Lagerarbeiter, stapft wutschnaubend aus dem Gerichtssaal. Die Belastungszeugen grinsen schadenfroh. Damit ist das Beleidigungsverfahren abgeschlossen.

Er habe nur einer guten Freundin beistehen wollen, sagt der Familienvater. „Die wurde von einer anderen gestalkt.“ Auf dem Hof der Westschule habe er sich ins Gespräch zwischen den Frauen eingemischt. „’Nutte’ habe ich nie gesagt. Ich habe nur gesagt ‘Lass die Frau in Ruhe’.“ Der Richter fragt nochmal nach. „Vielleicht habe ich ‘Blöde Kuh’ gesagt, aber bestimmt nicht ‘Nutte’.“

Die angeblich gute Freundin (31) sagt zum Richter, sie sei gar nicht mit dem Mann auf der Anklagebank befreundet. Der habe vorher schon Drohungen ausgestoßen, er habe Waffen, dies sei seine Stadt und so weiter. „Und dann hat er sie geschubst.“ Der Richter: „Hat er ‘Nutte’ gesagt?“ Die Zeugin: „Ja, hat er!“ Der Angeklagte hebt den Zeigefinger. „Warum lügst du?“ Der Richter warnt ihn: „Das könnte ich schon als Bedrohung auffassen.“

Die andere Frau kennt den Mann nicht. „Ich weiß gar nicht, was ich ihm getan habe.“ Aber sie weiß: „Er war alkoholisiert.“ Sie ruft vom Schulhof aus per Handy ihren Bruder zu Hilfe, der bringt zwei Kumpels mit. Derweil bedroht der Lagerist auch ihre Tochter, sagt die Zeugin. „Er sagte, sie soll besser nicht allein zur Schule gehen. Das Kind hat jetzt noch Angst.“ Ihr Bruder sagt: „Der war betrunken, den habe ich nicht ernstgenommen.“

Richter Kabus nimmt den Vorfall dagegen sehr ernst. Und die Vorgeschichte des 45-Jährigen mit seinen zwölf teilweise einschlägigen Vorstrafen auch. Er verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von 2450 Euro.

Von Olaf Moos

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