Amtsgericht: Verfahren gegen Polizisten eingestellt

Lüdenscheid - Da war schon mal was, 2008. Da wurde der Polizist der Strafvereitelung im Amt beschuldigt. Und jetzt sogar das: Körperverletzung im Amt. Auf der Südstraße soll der 46-Jährige vor einem Jahr einen randalierenden Betrunkenen gewürgt und mit der flachen Hand kräftig ins Gesicht geschlagen haben, zweimal.

Aber nicht das Opfer zeigt ihn an. Sondern ein Kollege aus der eigenen Dienstgruppe meldet die Sache dem Chef der Wache. So nehmen die Ermittlungen ihren Lauf. Sie münden in einem Strafprozess wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Rechtsanwalt Christoph Arnold aus Bonn sagt, er tue kaum etwas anderes als Polizisten zu verteidigen – ein Spezialist für Beamtenrecht. Die Versetzung des Lüdenscheiders nach Iserlohn hat er nicht verhindert. Und vor Strafrichter Thomas Kabus taktiert er auch nicht lange herum. „Es waren zwei Ohrfeigen oder auch Backpfeifen, leider zutreffend.“ Sein Mandant übernehme die Verantwortung. Er fände es „schön“, sagt Arnold, wenn das Verfahren ohne Verurteilung enden könnte, mit einer Einstellung gegen Geldauflagen.

Aber so einfach ist das nicht. Kabus zögert, will Zeugen hören. Zuerst natürlich den 22-jährigen Randalierer, ein Maschinenbediener. Er muss „randvoll“ gewesen sein zur Tatzeit. Kabus: „Können Sie sich an die Angelegenheit erinnern? Der Zeuge: „Nein!“ Ohrfeigen? Würgen? Schubsen? Anschreien? Der Zeuge: „Weiß ich nicht mehr.“ Er sei „schon heftig“ alkoholisiert gewesen und habe Ärger gemacht, und er habe die Nacht auf der Wache verbracht, das weiß er noch. Und er sei nicht verletzt worden, aber das Vorgehen des Polizisten sei schon „die robuste Art“ gewesen.

Das sieht der Kollege des Angeklagten ähnlich. Aber er war nüchtern, also weiß er auch Details. „Kräftig zugelangt“ habe der Angeklagte und „aggressiv gewürgt“. Ein weiterer Polizist widerspricht. Der Betrunkene habe „den sterbenden Schwan gespielt“ und nur zwei leichte Patscher bekommen – „wie man das auf einem Rettungswagen macht, um jemanden wachzurütteln“.

Die Beweisaufnahme bleibt unergiebig. Der Amtsanwalt neigt dazu, einer Einstellung des Verfahrens zuzustimmen. Er soll dafür 4000 Euro an den Verein Glücksbringer bezahlen. Verteidiger Arnold bläst die Backen auf und macht empört „Boooaah“. Aber sein Mandant stimmt zögernd zu. 4000 Euro hat er schon mal bezahlt, 2008. Er hatte den Diebstahl einer Flasche Schnaps aus einer Disco nicht angezeigt.

Von Olaf Moos

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