Amtsgericht urteilt

Amtsgericht: Urteil wegen Tierquälerei in zwei Fällen

Lüdenscheid - Weil er einen Hundewelpen mehrfach schwer misshandelt hat, verurteilte Strafrichter Andreas Lyra am Dienstag einen 23-jährigen Arbeitslosen zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. Der Angeklagte hatte gestanden, das Tier unter anderem auf den Fußboden geschmettert zu haben. In seiner Urteilsbegründung sprach der Richter von einem „außergewöhnlichen Fall von Tierquälerei“.

Von Olaf Moos

In der Ermittlungsakte äußert sich ein Tierarzt über das Ausmaß der Verletzungen. Ein vergleichbar großer und schwerer Hund sei 28 Meter tief von der Staumauer der Fuelbecker Talsperre gestürzt und habe zwei Rippenbrüche davongetragen. Doch dem knapp vier Monate jungen Husky-Mischling Django ist es in der Wohnung seines Herrchens am Breitenfeld viel schlimmer ergangen.

Am 19. März schlägt ihm der kokainsüchtige Mann mit der Faust derart auf den Kopf, dass Django das Maul nicht mehr öffnen kann und eines seiner Augen aus der Höhle zu treten droht. Außerdem treten Lähmungserscheinungen auf. Der Täter bringt den Welpen selbst zum Tierarzt. Die Tierarztrechnung ist noch offen.

Am 21. April schließlich ruft eine Nachbarin die Polizei. Sie habe „ein grausames Jaulen“ gehört. Als die Beamten eintreffen, kauert Django in der leeren Badewanne. Ein Ellenbogengelenk ist mehrfach gebrochen. Wenn er die Stimme seines Halters hört, der auf Fragen einer Polizistin antwortet, schreit er jämmerlich auf. Nach einer Operation bleibt er stationär in der Obhut einer Tierklinik. Zurück zu seinem Peiniger muss er nicht mehr.

Django, sagt der 23-Jährige, habe auf den Teppich gepinkelt. „Und als ich ihn im Bad waschen wollte, hat er mich angepinkelt, und da habe ich die Kontrolle verloren.“ Er wisse, wenn er Drogen genommen und Wut gekriegt habe, „dann habe ich das an dem Hund ausgelassen“, gibt er zu Protokoll.

Für Amtsanwalt Markus Desecar ist der Tatbestand der Rohheit laut Tierschutzgesetz erfüllt. „Mangelnde Empathie“ wirft er dem jungen Mann vor. „Das Kokain putscht auf, Sie wissen es, aber Sie handeln trotzdem so.“ Solch ein Ausmaß an Brutalität gegenüber einem Hund „ist mir noch nicht untergekommen“. Der Angeklagte senkt den Blick.

Strafrichter Lyra sagt, man könne einem Beschuldigten „ja immer nur vor den Kopf gucken“. Dass er den Hund schließlich weggegeben habe, wirke nicht strafmildernd. „Man hätte ihnen das Tier sowieso weggenommen.“ Und: „Wär’s ein kleines Kind gewesen, wären Sie dafür sicher für lange in den Bau gewandert.“

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