Amtsgericht: Unerlaubt unzuverlässig

Lüdenscheid - Die gerichtliche Klärung des Diebstahls ist so schnell über die Bühne wie die Tat selbst es am 10. April wohl auch gewesen ist. „Ich war gerade ein paar Meter weg, da kamen 20 oder 30 Leute aus der Moschee hinter mir her, die hatten wohl gerade zu Ende gebetet“, sagt der Angeklagte zu Strafrichter Thomas Kabus. Und so wird er sein bisschen Diebesgut aus dem unverschlossenen Auto schnell wieder los.

Viel größeres Augenmerk lenkt die Justiz auf die Unzuverlässigkeit des 38-Jährigen. Elf Einträge finden sich in seinem Vorstrafenregister. Mehr als 40 Einbrüche und Diebstähle sind dabei. Seit einem Jahr ist er nach einer zweijährigen Haft wieder auf freiem Fuß. Die Behörden ordnen Führungsaufsicht an. Unter anderem heißt das: Bewährungshelferin regelmäßig besuchen, Wohnung beziehen, arbeiten oder arbeitslos melden! Bei „Ist mir doch egal“ droht Ärger. Oberamtsanwalt Hans Dieter Lehmann sieht „den Zweck der Maßregel verletzt“. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf „Verstoß gegen Weisungen“.

Denn anstatt brav zu sein, treibt sich der entlassene Strafgefangene in der Stadt rum, hat keinen festen Wohnsitz, lässt Briefe ungeöffnet und ignoriert so gut wie alle Versuche der Sozialarbeiterin, Kontakt zu ihm herzustellen. Er gibt vor, bei seinen Eltern zu hausen, aber die Mutter sagt „Der wohnt hier nicht“. Er lässt sich monatelang mittellos durch die Straßen treiben, bis er endlich irgendwann um Hartz IV nachsucht. Am 29. April, das Maß ist offenbar voll, stellt der zuständige Richter Strafantrag.

„Ich habe seit dem 1. Mai eine Wohnung“, sagt der gelernte Energieanlagen-Elektroniker zu Kabus. Er wirkt abgeklärt, beinahe cool, sitzt ohne Verteidiger im Gerichtssaal E28. Obwohl ihm die neue Sesshaftigkeit jetzt auch nichts mehr nützt. Die Strafverfolgung läuft unerbittlich. Statt sich „in der Führungsaufsicht am kurzen Zügel führen zu lassen“, wie Lehmann sagt, hat er sich allen Maßnahmen entzogen. Für den Diebstahl aus dem Auto und den Verstoß gegen Weisungen beantragt der Oberamtsanwalt acht Monate Gefängnis. „Keine Frage, dass das nur noch ohne Bewährung geht!“ Strafrichter Thomas Kabus bleibt zwei Monate unter dem Antrag.

Untertauchen ist sowieso nicht möglich. Denn seit dem 6. September hat der Lüdenscheider, Vater einer achtjährigen Tochter, seine Wohnung in der Kluse nicht mehr betreten, weil er schon wieder in Untersuchungshaft ist. Ein neues Ermittlungsverfahren ist im Gange – wegen des Verdachts auf Einbruch.

Von Olaf Moos

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