19-Jähriger muss nach Tankbetrug Sozialstunden leisten

Lüdenscheid - Sein Ruf eilt ihm voraus. Oberamtsanwältin Maximiliane Hieke sagt vor Prozessbeginn: „Er fährt halt sehr gerne Auto.“ Strafrichter Jürgen Leichter fügt hinzu: „Und tanken tut er auch ganz gerne.“ Beides kostet bekanntlich Geld. Und das ist das Problem des 19-Jährigen – und hat ihm jetzt erneut eine Anklage eingebracht.

Der erste der beiden Vorwürfe ist schnell abgehakt. Er war Lehrling in einem hiesigen Dachdecker-Betrieb und hat aus einem Firmenwagen eine Tankkarte geklaut. Damit füllte er, für sich äußerst preiswert, den Tank seines Wagens – viermal, im Gesamtwert von 163,45 Euro. „Das habe ich absichtlich gemacht. Um aus der Firma rauszukommen. Die Ausbildung da war nicht wirklich schön.“ Also ein Geständnis.

Mit dem zweiten Fall haben Hieke und Leichter es etwas schwerer. Denn der nun arbeitslose junge Mann wird störrisch. Nein, er habe die Tankstelle an der Altenaer Straße nicht um ihr Geld betrügen wollen, behauptet er.

Die Kassiererin im Zeugenstand berichtet etwas anderes. „Er wollte mit seiner EC-Karte bezahlen, aber das ging nicht.“ Das Konto sei nämlich nicht gedeckt gewesen. „Da sagte er: ‘Ich fahre eben zur Sparkasse und bin in fünf Minuten wieder da’.“ Er habe sogar seinen Personalausweis zurückgelassen – und seine Handynummer. „Aber da fehlte die letzte Zahl.“ Der Kunde tauchte nicht mehr auf.

Der Angeklagte beteuert: „Ich habe es vergessen.“ Er habe „Hektik“ gehabt, habe seine Mutter zum Arzt fahren müssen. „Und dann bin ich nach Hause, habe meinen Koffer gepackt und bin an die Nordsee gefahren.“ Richter Leichter hebt leicht die Stimme. „Aber das kann man doch nicht einfach vergessen. Das passiert selbst mir nicht.“ Oberamtsanwältin Hieke fragt den jungen Burschen, ob er denn inzwischen die Rechnung bezahlt habe. Antwort: „Nein, ich habe da keinen erreicht.“ Leichter: „Komisch.“

Das Geständnis im ersten Fall macht nicht viel wett. Im zweiten Fall wertet Maximiliane Hieke die Aussage als „Schutzbehauptung“. Denn er hat für einen Tankbetrug schon einmal 900 Euro Strafe zahlen müssen. Jetzt kommt er mit 80 Sozialstunden davon.

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