Amtsgericht: Trickdiebstahl nicht nachgewiesen

Lüdenscheid - Die Polizei geht von Trickdiebstahl aus, die Sachlage scheint eindeutig zu sein, die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage. Aber die Beschuldigte, eine 22-jährige dreifache Mutter Rumänien, weiß offenbar genau, was sie vor Gericht sagen muss – und vor allem, was nicht.

Ihre Komplizin ist längst außer Landes. Strafrichter Peter Alte bleibt nichts anderes übrig als den Diebstahlsvorwurf fallen zu lassen. Das Urteil: 400 Euro wegen gemeinschaftlichen versuchten Betruges.

Für das Opfer (78) im Zeugenstand ist der Vorfall vom 11. April noch sehr präsent. Vor der Lünsch-Apotheke habe die Beschuldigte ihr eine Unterschriftenliste unter die Nase gehalten. „Sie sprach kein Wort und zeigte nur auf das Papier.“ Vielleicht eine Aktion für Taubstumme, habe sie gedacht.

Kaum hat sie ihr Portemonnaie gezückt und geöffnet, kommt eine zweite Frau hinzu, ebenfalls mit einem Klemmbrett bewaffnet – hält das Ding über das Portemonnaie und fingert darunter geschwind drei 50-Euro-Scheine aus der Geldbörse. Die alte Dame: „Aber ich habe sie weggeschubst und ihr blitzschnell mein Geld aus der Hand gerissen“ – und die Polizei gerufen. Die Zeugin ist nach wie vor fest überzeugt: „Die haben zusammengearbeitet.“

Ein Polizist berichtet, wie er auf die Angeklagte und ihre Komplizin gestoßen ist. „Die saßen mit zwei weiteren Roma-Frauen im Polizeigewahrsam, wegen diverser Taschen- und Trickdiebstähle.“ Anhand der Aufnahmen der Überwachungskamera vor der Apotheke habe er sie erkannt und vernommen. „Die eine hat den versuchten Diebstahl zugegeben.“ Und ist anschließend offenbar nach Rumänien verschwunden.

Ihre Bekannte auf der Anklagebank bestreitet eine Zusammenarbeit beim Trickdiebstahl und sagt: „Ich wollte nur betteln, nicht stehlen.“ Dass es Betrug sei, unter Vortäuschung falscher Tatsachen Geld zu sammeln, „das habe ich gewusst und möchte mich dafür entschuldigen“.

Die Staatsanwältin glaubt weiter an einen gemeinsamen Tatplan für einen Trickdiebstahl. „Das liegt nahe, ist aber nicht nachgewiesen.“ In zehn Tagen folgt das nächste Verfahren, diesmal am Amtsgericht Iserlohn. Der Tatvorwurf: Trickdiebstahl.

Von Olaf Moos

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