Amtsgericht: Supermarkt für die Drogenszene

Lüdenscheid - Es muss zugegangen sein wie in einem Taubenschlag. Die kleine Wohnung an der Düppelstraße galt in der Szene der Kiffer und Pep-Konsumenten offenbar als angesagter Supermarkt. Und wer sich nicht dorthin traute, den belieferten fleißige Läufer auch auf der Straße, an telefonisch verabredeten Treffpunkten in der Nähe. Einer der beiden Dealer, der dahinter steckte, ist schon verurteilt, der andere (24) hat jetzt ebenfalls ein Geständnis abgelegt. Und „kassierte“ vom Schöffengericht eine Bewährungsstrafe von 20 Monaten.

Dabei haben die Täter, wie Amtsrichter Thomas Kabus sagt, eine „üble Nummer abgezogen“: Sie haben von sich selbst abgelenkt und Leute mit in die Sache hineingezogen, die „sonst nix damit zu tun haben“. Denn das Dealer-Duo hat die Wohnung und deren Mieter – einen jungen Hartz-IV-Empfänger – nur dazu benutzt, ordentliche Mengen Drogen aller Art zu bunkern.

Am 22. Januar schellt kein Kunde, sondern die Polizei. Ein Beamter erinnert sich an den Schreckensruf: „Scheiße, die Bullen sind da!“ Und wie Sekunden später Rauschgift aus dem Fenster in den Garten segelt. Aber es nützt nichts mehr. Die Fahnder stellen das Zeug sicher, knapp 100 Gramm Haschisch, Marihuana, Amphetamine und Ecstasy-Pillen.

Die Ermittlungen laufen, Namen werden bekannt, Anzeigen erstattet, Verfahren eröffnet. Derweil geht der Drogenhandel in derselben Wohnung munter weiter, als wenn nichts gewesen wäre.

Am 26. März gibt’s deshalb wieder ungebetenen Besuch. Diesmal finden die „Bullen“ mehr als 160 Gramm verbotener Substanzen. Der 24-Jährige Drahtzieher gerät ins Visier der Fahnder, im Juni wandert er in Untersuchungshaft. Jetzt sitzt er vor dem Schöffengericht, neben sich Strafverteidiger Dirk Löber, und soll aus dem Knast-alltag berichten. „Ich kann da einfach nicht schlafen“, weint er.

Er sagt, er habe den Erlös der Verkäufe für den Eigenkonsum ausgegeben. Der Mieter der Bunker-Wohnung und die Läufer bekamen als Lohn ein bisschen Gras oder Pep. „Die Einnahmen musste ich eins zu eins abgeben“, erzählt der Mieter. Er leistet nach seiner Verurteilung gerade Sozialstunden ab.

Die Bestrafung des Angeklagten erfolgt auf Bewährung. Er hat noch nichts auf dem Kerbholz. Sein Geständnis wirkt strafmildernd. Ein Bewährungshelfer wird sich um ihn kümmern. Und damit das alles „nicht nur so schön auf dem Papier steht“, wie Kabus sagt, muss er noch 800 Sozialstunden ableisten.

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