Amtsgericht: Strafen für Ausweis-Missbrauch

Lüdenscheid - Wenn drei junge Burschen in einem Handy-Shop auftauchen und mit dem Personalausweis eines vierten jungen Burschen einen Mobilfunk-Vertrag abschließen wollen – dann ist das so faul, dass es stinkt.

Der Mann der Mobilcom-Debitel riecht den Braten, stoppt das Geschäft und sagt bei der Polizei Bescheid. So war das am 25. Juni. Jetzt ist das Trio wegen versuchten gemeinschaftlichen Betruges und gemeinschaftlichen Missbrauchs von Ausweispapieren angeklagt.

Warum der jüngste der Beschuldigten, ein damals 17-jähriger Gymnasiast, den fremden Perso überhaupt bei sich hat, erklärt er so: „Den habe ich mir von einem Kollegen geliehen, damit ich Zigaretten holen kann.“ Dem ominösen Kollegen gehört das Dokument aber auch nicht. Ein Rätsel, woher der ihn hat. Klar ist nur: Der Ausweis kursiert in der Clique. „Und ich habe vergessen, ihn zurückzugeben.“

Nur einer von ihnen hat einen Verteidiger mitgebracht. Rechtsanwalt Dominik Petereit vertritt einen jungen Lehrling, angehender Bauhandwerker. Der Dritte im Bunde, ein arbeitsloser und psychisch kranker 19-Jähriger, ist derjenige, für den der Vertrag bestimmt war. Strafrichter Peter Alte sagt: „Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass das ein Luftgeschäft werden sollte.“ Dass die Burschen also den Kontrakt über die monatliche Zahlung von 73,96 Euro abschließen, zwei wertvolle Handys in Empfang nehmen, sie auf dem Schwarzmarkt verhökern, den Erlös untereinander aufteilen – und die Rechnung Rechnung sein lassen wollen.

Der Gymnasiast sagt bei der Polizei über seinen Kumpel vom Bau: „Die haben das schon öfter gemacht.“ Der Psychiatrie-Patient beteuert: „Eines der Handys wollte ich für mich. Ich wollte meine Personalien noch korrigieren. Ich schwöre, ich hätte bezahlt.“ Die Staatsanwältin sagt: „Das ist mir egal, was Sie schwören, ich will ehrliche Antworten!“ Doch der Nachweis der Betrugsabsicht ist kaum zu führen. Richter Alte lässt diesen Vorwurf fallen. Der Missbrauch des Personalausweises ist hingegen erwiesen.

Einer geht mit einer richterlichen Ermahnung nach Hause. Die anderen müssen Sozialstunden ableisten. - omo

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