Angeklagter fühlt sich sexuell bedrängt und schlägt zu

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Lüdenscheid - Wenn es um eine Frau ginge, die von einem Mann sexuell bedrängt wurde und die sich mit Ohrfeigen gewehrt hat – „dann säßen wir jetzt nicht hier“, sagt der Dortmunder Strafverteidiger Dieter Kaufmann.

Er aber vertritt einen Mann, der von einem anderen Mann sexuell bedrängt wurde und zugeschlagen hat. Sein Mandant, ein 22-jähriger Kellner, mehrfach vorbestraft, sagt: „Ich habe ihm erklärt, ich bin nicht schwul.“

Trotzdem, sagt der Staatsanwalt, hat der Angeklagte den Mann am 9. September ‘14 in ein Café nahe dem Kluser Platz bestellt. Dort habe er ihn mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, ihn auf einen Stuhl gezwungen und weiter geohrfeigt. Bis ein Zahn gebrochen ist. Rechtsanwalt Kaufmann sagt dazu: „Und das war’s dann auch schon.“

Und regt an, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Immerhin sei der Geschädigte in dem Lokal auf seinen Mandanten zugekommen und habe „Ich blas’ dir einen“ gesagt. Nach ersten eindeutigen Kontakten in einem Dating-Portal im Internet habe sein Mandant dem Zeugen „den Marsch blasen“ wollen. Strafrichter Lyra: „Das ist eine schöne Formulierung in diesem Zusammenhang.“

Eine Einstellung des Verfahrens zu erwägen, „damit tue ich mich allerdings schwer“, so der Strafrichter. Das Vorstrafenregister spreche eindeutig dagegen. Auch der Staatsanwalt sieht „keinerlei Anhaltspunkte“ für ein gnädiges Ende des Verfahrens ohne Urteil.

Doch der Dortmunder Advokat gibt nicht auf. Hier gehe es um Stalking, sein Mandant habe sich sexuell bedrängt gefühlt, der Zeuge habe „Sex gewollt an dem Tag“. Andreas Lyra merkt an: „Es erhebt sich die Frage, ob es gerechtfertigt ist, ihm dafür ein paar zu schallern.“ Offen ist auch die Frage, ob der Angeklagte allein zugeschlagen hat oder andere Gäste des Cafés ihm geholfen haben.

Der Verteidiger reicht eine Liste mit vier Namen ein, von Männern, die dabei gewesen sein und bezeugen können sollen, dass der Angeklagte sich nur gegen die Annäherungsversuche des Belastungszeugen gewehrt hat. Richter Lyra setzt das Verfahren aus. Neuer Termin von Amts wegen.

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