Amtsgericht: „Es spricht alles dafür“

Lüdenscheid - Es ist offenbar nicht ungefährlich, an der Bank Geld in kleinen Stückelungen abzuheben und zu Hause in einer Dose aufzubewahren. Die Polizei könnte vermuten, dass es sich um „typisches Dealergeld“ handelt.

Natürlich nur dann, wenn die Beamten in der Wohnung auch Drogen finden. Und Tütchen. Und eine Waage. Dafür gibt es dann sechs Monate mit Bewährung – wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln.

Ja, mit dem Amphetamin, „Pep“ genannt, das stimme, sagt der 39-jährige Hausmeister zu Richter Jürgen Leichter. „Das hat mir nach dem Tod meines Vaters, und nachdem sich meine Frau von mir getrennt hat, anfangs Energie gegeben und geholfen.“ Aber: „Ich verkaufe keine Drogen, auch, wenn das so ausgesehen haben mag.“ Nein, er habe gebrauchte Tütchen angesammelt statt sie wegzuschmeißen. „Und die Tüten, die auf meinem Tisch lagen, waren meine Butterbrot-Tüten.“ Und die Waage habe er gebraucht, um für sich zu portionieren und seinen Konsum zu kontrollieren.

So stellte sich in der Wohnung in der Innenstadt also die Lage dar, als Polizisten einen Tag vor Heiligabend 2012 einen Haftbefehl wegen Betruges gegen den 39-Jährigen vollstrecken wollten. Dabei rochen sie Marihuana-Rauch, schauten genauer nach und entdeckten 121,27 Gramm „Pep“. Bloß: Die drei Gäste des Mannes, die die Staatsanwältin als Kunden bezeichnet, wurden nie vernommen. Und eine polizeiliche Vernehmung des mutmaßlichen Dealers zum Tatvorwurf hat auch nie stattgefunden.

Rechtsanwalt Rolf Holthaus lässt kein gutes Haar an der Anklage. „Da wurde schlampig ermittelt.“ Nur wegen der „Sachen“ in der Wohnung eines ansonsten unauffälligen Mannes auf einen Handel zu schließen, sei zu wenig. „Da muss schon mehr auf den Tisch kommen.“

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Leichter gesteht zu, dass ein Drogenhandel „nicht nachgewiesen werden kann“, wie er in der Urteilsbegründung sagt. Aber die Indizien seien klar, „es spricht alles dafür“. Rauschgift, Tüten, Geld, eine Waage – „das ist alles vonnöten, wenn mit Drogen gehandelt wird“.

Damit folgt das Gericht der Einschätzung der Staatsanwältin. Sie hält die Behauptungen des Angeklagten für „widerlegt“, die Geschichte mit den Tüten für „unglaubwürdig“, die Erklärung für das Vorhandensein der Feinwaage für „lebensfremd“.

Ob sie damit richtig liegt, wird wohl die nächste Instanz erweisen. - Von Olaf Moos

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