Amtsgericht: Schwere Hypothek für junge Familie

Lüdenscheid - Die Zukunft droht zu enden, bevor sie richtig begonnen hat. Im August wird der 22-jährige Produktionshelfer zum ersten mal Vater. „Ich ziehe dann mit meiner Freundin zusammen.“ Doch er bringt eine Hypothek mit in die junge Familie: 2400 Euro Geldstrafe wegen Diebstahls.

Dabei gab es Hoffnung: ein Job bei einem international operierenden Unternehmen in Lüdenscheid. Doch das Sortiment ist wohl zu verlockend für jemanden, der ein Faible für Kommunikationselektronik hat. Und so erwischt ihn der Vorarbeiter zum Feierabend bei einer Taschenkontrolle. Zwei Akkus und eine externe Handy-Tastatur, Gesamtwert: 87 Euro. Es folgen die fristlose Kündigung und die Strafanzeige.

Und der Gerichtsprozess. „Ich war ein bisschen dämlich“, sagt der werdende Vater. Strafrichterin Kristina Thies stimmt zu. „Einen Monat dort, und dann den Arbeitgeber beklauen, das geht doch so nicht.“ Die Staatsanwältin beantragt 80 Tagessätze zu je 30 Euro. Auch deshalb, weil der Angeklagte wegen Sachbeschädigung und zweifachen Betruges vorbestraft ist.

Die Richterin folgt dem Antrag der Anklägerin ohne Abstriche. Und warnt den Verurteilten: „Viel Spielraum nach oben gibt es hier mit Geldstrafen nicht mehr.“ Er müsse sich Gedanken machen, so Thies, „ob Gefängnis tatsächlich langfristig das Karriereziel ist“.

Von Olaf Moos

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