Amtsgericht: Schuldfrage bleibt offen

LÜDENSCHEID ▪ Auf einmal kamen viele Rechnungen. Stadtwerke, Vermieter, Coca Cola – alle wollten Geld vom Döner-Verkäufer. „Ich brauchte Luft, um weiter arbeiten zu können“, sagt er zum Richter. Und so beantragte er einen Kredit. Und täuschte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit gefälschten Kontoauszügen Bonität vor.

Der Angeklagte ist sich „keiner Schuld bewusst“, wie er beteuert. Und Amtsrichter Thomas Kabus hält die Strafanzeige der Bank für „ein bisschen übertrieben“. Denn die Erklärungen des 39-jährigen Familienvaters klingen verwickelt, aber auch einleuchtend.

Er war in einem Familienbetrieb bei seiner Frau angestellt, als geringfügig Beschäftigter. Der Laden warf genug ab, um zu überleben. Bis die Flut der Rechnungen übermächtig wurde. Da ging er zu einem Steuerberater und holte sich den Tipp: Die Ehefrau soll ihren Gatten fest anstellen und ihm ein volles Gehalt überweisen. Gesagt, getan – mit einer Gutschrift von 1525 Euro auf den Kontoauszügen taucht er bei der Bank auf und bittet um die Leihgabe von 26 700 Euro.

Die einmalige Gehaltsüberweisung reichte der Bank aber nicht als Sicherheit. Die Erklärung des Angeklagten: „Vorher war ich nicht angestellt, und hinterher musste ich meinen Laden zumachen.“ Und noch etwas fiel auf: Die Saldo-Daten auf den Auszügen passten nicht zueinander, beim Übertrag auf die Folgeauszüge fehlte ein Betrag von 525 Euro. Urkundenfälschung, sagt der Oberamtsanwalt. „Ich habe nix gedreht, ehrlich nicht“, sagt der Angeklagte.

Ein Schaden ist nicht entstanden. Die Bank verweigerte den Kredit. Die Dönerbude wurde geschlossen. Nun arbeitet der Fleischbräter in seinem erlernten Beruf als Verfahrensmechaniker. „Und meine Frau geht putzen.“

Es siegt die Prozessökonomie. Sicherheitsexperten von Banken könnten als Zeugen geladen werden, um die Urkundenfälschung zu beweisen. Der Oberamtsanwalt neigt aber dazu, das Verfahren einzustellen, „mit einer kleinen Geldauflage als Denkzettel“. Richter Kabus stimmt zu. „Die Schuldfrage ist offen.“ Und der Angeklagte ist auch einverstanden, weil er ohne Urteil aus der Sache herauskommt. Der Kinderschutzbund darf sich über 300 Euro freuen.

Olaf Moos

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