Amtsgericht: Schulden, Wut und Pöbeleien

LÜDENSCHEID ▪ Offene Schulden, Enttäuschung, Drohungen, Wut und Pöbeleien – und zuletzt handfeste Beschimpfungen. Im Wohngebiet Tinsberg schlagen die Wellen hoch. Hauptakteure sind eine 50-jährige Angestellte und ihr Ex-Mieter (53). Der gelernte Bergmann und jetzige Hartz-IV-Empfänger, vierschrötig bis bullig, rotgesichtig, impulsiv und zornig, steht wegen Beleidigung unter Anklage.

Als „Scheiß-Griechin“ und „Betrügerin“ soll er die Frau tituliert haben – und deren kleine Tochter als „fette Sau“, zitiert der Oberamtsanwalt aus der Anklage. Aber der Angeklagte winkt ab. „Das habe ich nicht gesagt.“ Was denn dann, will Richter Thomas Kabus wissen. „Ich habe gesagt, ihr Griechen, euch zeige ich wegen Sozialbetruges an.“ Denn, ergänzt er lautstark, „die zocken das Arbeitsamt mit Mietzahlungen ab.“

Außerdem wolle er sein Geld wiederhaben. „950 Euro habe ich meiner ehemaligen Vermieterin geliehen, 450 für Heizöl und 500 für eine Reise nach Griechenland. Aus meinem Portemonnaie.“ Und „gar nix“ habe er zurückgekriegt. Die Frau im Zeugenstand will nichts davon hören. Nach dem Auszug habe er seine Schlüssel nicht zurückgegeben, also habe sie das Geld für die Nebenkostenerstattung für sich behalten. „Wir waren deshalb vor Gericht, und ich habe Recht bekommen.“

Der Richter wendet sich an den Angeklagten. „Sie neigen dazu, so zu reden wie Sie denken.“ Deshalb könne er sich vorstellen, dass die Anschuldigungen zu Recht erhoben worden sind, obwohl Aussage gegen Aussage steht. Er verurteilt den 53-Jährigen zu einer Geldstrafe von 350 Euro. Der Verurteilte bleibt trotzig. „Das zahle ich aus der Portokasse.“ Und wegen seiner offenen Rechnung sagt er zum Richter: „Und das Geld kriege ich auch noch, das sage ich Ihnen!“

Olaf Moos

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