Amtsgericht: Schlammschlacht mit Fortsetzung

Lüdenscheid - Staatsanwältin Bettina Hirschberg sagt, sie sei „entsetzt“. Und blafft die Zeugin an: „Gucken Sie zu viel Fernsehen oder was?“ Das ist der emotionale Höhepunkt eines Prozesses, in dem es um Kinderpornographie, Nacktfotos und gegenseitige Anschuldigungen geht. Eine „Schlammschlacht“, wie Strafverteidiger Dominik Petereit sagt. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Angeklagt ist eine 39-jährige Arbeiterin, geschieden, Mutter einer 15-jährigen Tochter. Die Frau soll ihrem ehemaligen Freund über ein getürktes Benutzerkonto bei Facebook ein Foto geschickt haben. Es zeigt das nackte Geschlecht einer Frau, dazu die Frage „Kennst du das?“ Er zeigt sie daraufhin an. Sie sagt: „Das war ich nicht.“

Der Ex wolle ihr nur einen reinwürgen, sagt die Frau. Weil sie eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt habe, dass er sich ihrer Tochter nicht mehr nähern darf. „Er hat ein sexuelles Verhältnis mit ihr.“ Seit acht Monaten lebe das Mädchen im Betreuten Wohnen. „Sie zieht mich durch den Dreck.“ Es gebe keinen Kontakt mehr.

Eine Maschinistin tritt in den Zeugenstand, 23 Jahre alt. Wie die Zeugin überhaupt in das Verfahren geraten ist, bleibt zwar noch schleierhaft. Fakt ist aber, dass die junge Frau dem heute 48-Jährigen ebenfalls über Facebook geschrieben hat, unter falschem Namen auf einem extra eingerichteten Benutzerkonto. Sie schickt ihm verbotenes Material und „fixt“ ihn mit ihrer Lolita-Identität an. Er antwortet, unter einem arabischen Namen. „Schaust super aus!“

In Wirklichkeit, sagt die Zeugin, wisse sie, dass der Mann sich „mit kleinen Mädchen trifft“ und Kinderpornos auf der Festplatte habe. Sie habe ihn enttarnen wollen. „Ich habe selber eine kleine Schwester.“ Die Staatsanwältin: „Sie haben sich mit dem Verschicken der Bilder strafbar gemacht.“ Die Zeugin sagt weinend: „Das habe ich in Kauf genommen.“ Es folgt das Zitat im Hinblick auf den Fernsehkonsum.

Wie die Angeklagte und die Zeugin zusammenhängen, ist unklar. Die Zeugin sagt: „Das kann ich Ihnen nicht mehr sagen. Das war alles so verstrickt.“ Der 48-Jährige, nach eigenen Angaben Frührentner, bleibt dabei. Die Angeklagte habe ihm pornographisches Material geschickt, „um es gegen mich verwenden zu können“. Der Austausch mit der angeblichen Lolita sei nach ein paar Tagen eingeschlafen.

Richter Kabus erwägt eine Einstellung des Verfahrens, „zur Befriedung“. Die Angeklagte lehnt ab. Sie will einen Freispruch. Jetzt sollen die Computer der beteiligten Personen analysiert werden. Wer hat wem was wann geschickt? Der aktuelle Lebensgefährte der Angeklagten könnte vielleicht zur Wahrheitsfindung beitragen. Doch er sitzt seit März 2014. Für viereinhalb Jahre. Wegen sexuellen Missbrauchs seines eigenen Sohnes. Neuer Termin von Amts wegen.

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