Amtsgericht: Ruppiger Umgang unter Männern

Lüdenscheid - Es herrscht mitunter ein ziemlich ruppiger Umgang unter den Männern. Billigbier aus Plastikpullen, Selbstgedrehte, Schnaps, Streit, Geldmangel, Nachschubprobleme – da entstehen Straftaten, die der Angeklagte „nüchtern nicht begehen würde“, wie er sagt. Aber: „Die ganzen Sachen sind unter Alkoholeinfluss passiert.“

Von Olaf Moos

Zum Beispiel in der Netto-Filiale am „Knapp“, am 27. Mai. Der Standort des Supermarktes ist berüchtigt, der Marktleiter kampferprobt. Er erwischt den breit gebauten 32-Jährigen am Ausgang.

Das Bier in der Tüte hat der seit zwölf Jahren Arbeitslose bezahlt, die Flasche Jägermeister in der Jacke nicht. Der Angeklagte sagt: „Der hat mich wieder reingeschubst, aber draußen warteten die Jungs auf ihr Bier.“ Die Rangelei endet im Büro. Der Kaufmann sagt: „Als Personalien hat er ‘Adolf Hitler’ angegeben.“ Und gesagt: „Wir bringen dich um.“

Ende August auf den Sitzstufen am Sternplatz dann das: Ein 60-Jähriger stürzt kopfüber auf den chinesischen Granit. Es gibt eine Gesichtsprellung und Nasenbluten. Zeugen berichten, der Angeklagte habe ihn geschubst. Er habe zuvor eine Mülltonne ausgeräumt und Abfälle verteilt, als er von dem empörten Passanten darauf angesprochen wurde. Amtsrichter Thomas Kabus fragt: „War er alkoholisiert?“ Ein Zeuge: „Der war volltrunken.“ Der Angeklagte grinst verstohlen in sich hinein.

Dass der gelernte Industriemechaniker Anfang Oktober im Rewe-Markt beim Diebstahl zweier Flaschen Wodka erwischt wurde, rundet das Bild ab. Er hatte hier überdies Hausverbot, genau wie im Netto am „Knapp“. Im Rewe aber für immer, wie der Filialleiter sagt. „Irgendwann reicht’s dann ja auch.“ Die Verfahren wegen Hausfriedensbruchs stellt der Richter allerdings ein. Der Angeklagte meint, daran könne er sich sowieso nicht erinnern.

Aber ansonsten sei der 32-Jährige – „wenn er nüchtern ist“ – ein Mann, „mit dem man vernünftig reden kann“, sagt Oberamtsanwalt Hans Dieter Lehmann. Und weil der Angeklagte laut Kabus „regelmäßig unter Alkoholeinfluss solche Dönekes“ treibe, fällt das Urteil so aus: fünf Monate wegen zweifachen Diebstahls, Bedrohung und Körperverletzung. Und als Bewährungsauflage eine Entwöhnungstherapie.

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