Amtsgericht: Ein Richter, zwei Gewichtsklassen

Lüdenscheid - Sollte es wirklich einen mannhaften Streit gegeben haben, dann war es ein höchst ungleicher Kampf. Der eine ein vierschrötiger Bauhandwerker (62), etwa 1,90 Meter groß, weit mehr als 100 Kilo. Sein Gegner: ein schmaler Kaufmann, zwei Köpfe kleiner, 20 Jahre jünger, ganz andere Gewichtsklasse. Der eine brummt: „Ich habe ihm nichts getan.“ Der andere sagt: „Er hat mich mit der Faust geschlagen.“

Die Vorgeschichte ist eine fast alltägliche Begebenheit im Straßenverkehr: Ein Autofahrer fühlt sich von einem anderen rüde überholt, abgedrängelt und ausgebremst – und umgekehrt. Am 2. Mai dann noch dies: Der eine, stinksauer, verfolgt den anderen, biegt dabei von der Heedfelder Straße nach rechts zum Drostenstück ab, hält dort neben seinem Widersacher an, Scheiben werden heruntergekurbelt – und los geht’s.

Die Erinnerungen der beiden Männer sind höchst unterschiedlich. Der stämmige Handwerker schildert dem Strafrichter, wie der andere ihn „beschimpft“ und auf seine Motorhaube geschlagen habe. Der Kaufmann zitiert den Angeklagten mit dem Satz „Pass bloß auf, du!“ und berichtet von einem Faustschlag durch den Spalt über dem geöffneten Fahrerfenster. „Mir wurde schwarz vor Augen. Die Brille flog durchs Auto.“ Eine Platzwunde auf der Nase habe er erlitten.

Beide fahren schnurstracks zur Polizei. Aber nur die Anzeige des mutmaßlichen Opfers wird aufgenommen. Von einer Platzwunde ist im Protokoll aber keine Rede, nur von einer „kleinen Schürfwunde am linken Nasenflügel“. Der Handwerker sagt: „Die muss er sich zugezogen haben, als er wieder in sein Auto gestiegen ist.“

Seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Anette Grzywacz („Eine Schürfwunde ist keine Platzwunde“), sieht noch Klärungsbedarf. Nun soll eine Polizistin aussagen. Und ein Zeuge des angeblich rüden Fahrmanövers des Kaufmanns. Fortsetzung: 12. Dezember, 10.30 Uhr, Saal 125.

Von Olaf Moos

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