Amtsgericht: Offene Fragen um Stress im Biergarten

LÜDENSCHEID ▪ 1. August, mittags, Sonne im Brauhaus-Biergarten. Für Unbeteiligte mag es ein konsequenter Polizeieinsatz gegen Drogenhändler sein. Mit Durchsuchung, vorläufiger Festnahme und „richtig Riesenalarm“, wie ein Zeuge sagt.

Für die mutmaßlichen Dealer ist es zunächst ein Streit mit Männern, „die kannten wir gar nicht“. Und sie hätten erst gemerkt, dass sie sich mit Polizisten angelegt hatten, als sie mit festem Griff auf Biertische gedrückt wurden.

Ob der 32-jährige Frührentner einem Kunden tatsächlich ein Tütchen Marihuana per „Handschlag“ überreicht und sein 19 Jahre junger Bekannter dabei Schmiere gestanden hat, das versucht das Jugendschöffengericht jetzt herauszufinden. Die beiden streiten alles ab. Klar, er habe einen Bekannten begrüßt, und später hätten diese beiden Männer zufällig mit an dem langen Tisch gesessen. „Die haben uns beobachtet, mein Kumpel fragte 'Was guckst du so?', und dann waren wir auf einmal verhaftet.“

Die Polizisten durchsuchen das Duo, eine Kellnerin fordert die Beamten auf, „sie sollten sich mal beruhigen“, so ein Zeuge. Und dann werden sie fündig: der 32-Jährige hat 100 Euro dabei. Das ist zwar nicht verboten. Die Durchsuchung des angeblichen Kunden, der unten im Rosengarten sitzt, endet jedoch ergiebiger: Er hat 1,42 Gramm „Gras“ im Portemonnaie. Woher?

„Nicht von den beiden“, sagt er im Zeugenstand. Der Staatsanwalt hält ihm vor, aber genau das am 1. August behauptet zu haben. Antwort des 40-Jährigen, auch Frührentner, fast zahnlos, bekleidet mit Bomberjacke: „Das ist doch totaler Quatsch, das haben die vielleicht geträumt.“ Ein weiterer Zeuge (25) – „ich bin auf unbestimmte Zeit psychisch krankgeschrieben“ – saß einen Tisch weiter und berichtet, die beiden Polizisten hätten Bierchen getrunken „und haben total aggressiv Stress angefangen und die beiden dann mitgenommen“.

Höchstwahrscheinlich würden die Ermittler dem Gericht mitteilen, wie sie den Drogendeal in der Mittagspause beobachtet und dann zugegriffen haben. Sie sind auch vorgeladen, haben aber abgesagt. Sie seien in Rheine für eine Drogenfahndung eingeteilt, heißt es. Immerhin war sogar noch ein dritter Polizeibeamter im Biergarten dabei. Das bestätigt er gegenüber dem Richter auch, will aber ansonsten „nichts gesehen“ haben.

Es hilft nichts. Der Prozess wird unterbrochen. Neuer Termin von Amts wegen.

Olaf Moos

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