Amtsgericht: Offene Fragen um ein Ofenrohr

LÜDENSCHEID ▪ Wer hat das Ofenrohr versetzt? Wer ist dafür verantwortlich, dass es am 7. Februar in dem kleinen Wohnhaus im Mintenbecker Tal gebrannt hat? Der Staatsanwalt glaubt fest daran, dass ein 51-jähriger Hilfsarbeiter das dicke Rohr in der Küche eines Bekannten „mangels Fachkompetenz zu dicht an das Fachwerk“ gebaut hat. Das wäre fahrlässige Brandstiftung. Aber der Angeklagte sagt: „Ich hab’ da nix versetzt.“ Und Strafrichter Andreas Lyra steigt in die Beweisaufnahme ein.

Sein Problem ist, dass es – noch – keine Beweise gibt. Sicher ist zunächst nur das: Die Tochter des Mieters schlief friedlich, während sich der Schwelbrand ausbreitete und geriet in höchste Lebensgefahr. Ihr Bruder kam zufällig nach Hause und rettete das Mädchen rechtzeitig ins Freie. Es blieb beim Sachschaden. Der Vermieter überreicht dem Richter eine Auflistung der Reparaturkosten.

Im Zeugenstand sitzt der damalige Mieter des 100 Jahre alten Häuschens, ein 50 Jahre alter Maschinenbediener. „Es war Winter, und alle Leitungen waren zugefroren.“ Der Ofen, der bei seinem Einzug im Herbst 2010 noch in der Küche stand und ins Zimmer des Sohnes umgezogen war, sollte schnell wieder zurück in die Küche. Der Zeuge zeigt auf den Angeklagten. „Da habe ich meinen Vormieter angerufen und ihn gefragt, ob er mir den Ofen anschließen kann.“

Der Beschuldigte bleibt störrisch und sagt, er könne sich gar nicht vorstellen, warum sein Nachmieter ihn belastet. „Vielleicht will er mir eins auswischen. Wir kommen nicht so gut klar.“ Der Zeuge widerspricht. „Er ist ein Freund, ich will ihm nichts. Aber er hat wirklich das Rohr verlegt.“ Nur, es habe nicht gleich gepasst, und da habe sein Freund mit dem Bohrhammer ein neues Loch in den Kamin ge-stemmt. „Du wolltest mir doch nur helfen“, ruft der Familienvater. „Warum gibst du es nicht zu?“

Wie gut es mit der Freundschaft zwischen den Männern tatsächlich bestellt ist, bleibt unklar. Zweifel sind wohl angebracht. Der Zeuge berichtet von Männern mit Baseballschlägern, die ihm nachts vor der Haustür aufgelauert hätten. „Die wollten, dass ich die Anzeige zurücknehme.“

Angeblich war die Frau des Angeklagten dabei, als der das Rohr anschloss – und die Tochter des Zeugen und deren Freund. „Die können das bestätigen.“ Aber sie sind nicht geladen. Der Richter vertagt den Fall. „Das werden wir ermitteln.“

Olaf Moos

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