Amtsgericht: Mutmaßliche Geldfälscher bestreiten

Lüdenscheid - Zwei Möglichkeiten: Entweder, hinter der braven Fassade der drei jungen Männer, zwei Studenten und ein Facharbeiter (22, 23, 25), schlummert die kriminelle Energie gewiefter Geldfälscher – oder der bereits überführte und verurteilte Bekannte des Trios will sie so richtig reinreißen. Aussage steht gegen Aussage. Das Jugenschöffengericht tagt – und vertagt sich nach drei Stunden wieder. Neues Beweismaterial soll gesichtet werden.

Es geht um etwa 300 Blüten, Fünf-Euro-Scheine aus einem Computerdrucker, zuvor am Bildschirm bearbeitet, die Silberstreifen von Hand aufgeklebt. Der Belastungszeuge schildert, wie seiner Mutter angeblich mal ein falscher Zehner untergejubelt wurde. „Da dachte ich, das kann ich besser.“ Hergestellt habe er die Blüten dann zusammen mit den drei jetzt Angeklagten.

Jeder von ihnen sagt: „Damit habe ich nichts zu tun.“ Einer sagt: „Der prahlt oft mit Dingen, die gar nicht stimmen.“ Ein weiterer Zeuge bezeichnet den Fälscher als „große Labertasche“. Die Bekannten des jungen Mannes sind sich einig. „Er wollte zu uns gehören, er hat’s aber einfach nicht geschafft, Freunde zu finden.“

Der Belastungszeuge ist tatsächlich schon als Lügner aufgefallen. Als die Polizei ihm auf die Schliche kam, behauptete er zunächst, er habe die Fälscherei bei Osteuropäern in Dortmund gelernt. Das korrigierte er später. „Ich hab’s mir selbst beigebracht.“ Und als der Richter nach dem Motiv fragt, sagt er: „Das ist eine sehr schöne Tätigkeit, man hat was zu tun und ist kreativ dabei.“

Ob er auch beim Erfinden anderer Geschichten kreativ war oder ob seine drei Bekannten nur Opfer der „Labertasche“ sind, kann das Gericht nicht ergründen. Aber es will noch einem Hinweis nachgehen, nachdem der Jüngste der Angeklagten im Internet eine Fälscherdatei bei dem Zeugen bestellt haben soll. Bis Beweise vorliegen, gilt die Unschuldsvermutung. Neuer Termin von Amts wegen.

Von Olaf Moos

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