Amtsgericht: Mehr als nur ein Zickenkrieg

Lüdenscheid - Grell lackierte Fingernägel, Hochsteck-Frisuren, ein Hauch zu viel Schminke – das Äußere der beiden Mädchen (17/18) spricht eine andere Sprache als ihr Vorstrafenregister. Sie seien beide schon mehrfach als „Schlägerinnen in Erscheinung getreten“, sagt Staatsanwältin Ina Pavel. Diesmal wirft sie ihnen Beleidigung, gemeinschaftliche Körperverletzung und Nötigung vor.

Die Freundinnen mimen Coolness. Erstmal alles abstreiten, kleinreden, schönen. Doch ihr Opfer berichtet im Zeugenstand von einem, für weibliche Teenies eher untypischen, rohen Übergriff, 25. Mai, 21.45 Uhr, Heedfelder Straße. „Sag uns, wo Mandy ist“, hat die Ältere laut Polizeiprotokoll gesagt. „Sonst schlage ich dir dein Handy in die Fresse.“ Laut Zeugin folgen eine Backpfeife und ein tiefer Kratzer. Zu Amtsrichter Jürgen Leichter sagt sie: „Die haben angefangen.“

Geständnisse sind es nicht, eher kleine Zugeständnisse, häppchenweise. „Könnte sein, kann mich aber nicht erinnern“ etwa, oder: „Ich habe nur zurückgeschlagen.“ Die Staatsanwältin blickt zur Anklagebank. Sie sehe „keine Reue“, sagt sie. Die Angeklagten seien auch von diesem Strafprozess „nicht beeindruckt“. Ina Pavel: „Das sollte man hier nicht einfach nur als Zickenkrieg abtun!“

Wie sie so geworden sind, erklärt sich wohl aus den Biographien der Mädchen, meinen die Vertreterinnen der Jugendgerichtshilfe. Zerrüttete Elternhäuser, keine Ausbildung, die eine mit Verdacht auf eine psychotische Erkrankung, die andere mit dem Makel „mangelnder Opfer-Empathie“, wie eine Sozialarbeiterin sagt. Beide mit Reifeverzögerungen, weshalb Jugendrecht greift.

Amtsrichter Leichter verurteilt die Jüngere zu 30 Sozialstunden und wöchentlichen Beratungsgesprächen, ein halbes Jahr lang. Die Ältere wird für ein Wochenende in Arrest gesperrt und muss 60 Stunden leisten. Beim Verlassen des Gerichtssaals zischt sie: „Der kann mich mal am Arsch lecken.“

Von Olaf Moos

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