Amtsgericht: Die Masche mit der Packstation

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Lüdenscheid - Nach 13 Vorstrafen – zumeist wegen Diebstahls und Betruges – sollte eigentlich Schluss sein. Doch als Mitte des Monats wieder einmal das Konto leer war, verfiel der Hartz-IV-Empfänger (28), ungelernt und Vater einer neunjährigen Tochter, auf eine neue Masche. Mit der flog er auf.

Die Masche: Geld von der Post nach dem Motto „Trifft ja keinen Armen“. Doch er flog auf, als er rund 500 Euro ergaunert hatte. Das Prinzip ist simpel. Der Angeklagte beauftragt die Post mit Nachforschungen. Diverse Pakete, die er angeblich verschicken wollte und in der Packstation an der Altenaer Straße deponiert habe, seien verschwunden. Dreimal fällt die Post darauf herein und erstattet ihm den angegebenen Warenwert. Zweimal verweigert sie Regresszahlungen.

Strafrichter Thomas Kabus kann sich eine zähe Beweisaufnahme sparen. Der Angeklagte, ein massiger Typ mit Stiernacken, senkt den Blick und sagt leise: „Es ist so gelaufen, und es tut mir leid.“ Dass er erwischt wird, scheint ihm klar gewesen zu sein, sagt er. Nach den fünf Betrügereien hörte er auf. „Das ist mir zu heiß geworden.“ Richter Kabus interessiert sich für den Ursprung der Idee. „Einmal habe ich Kinderkleidung verkauft und verschickt. Als der Adressat sich meldete, weil nichts angekommen war, habe ich einen Nachforschungsauftrag erteilt.“ Und dann, ergänzt er, „habe ich Lunte gerochen“.

Strafverteidiger Timo Saße macht für seinen Mandanten geltend, die Widergutmachung laufe bereits – mit Monatsraten á 30 Euro. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Referendarin Sarah Nöh, hält dem zerknirscht wirkenden Angeklagten dessen Geständnis zugute. Und seine Absicht, sich in einer Tagesklinik psychiatrisch behandeln zu lassen.

Warum der Betrüger therapiebedürftig ist, erörtert Thomas Kabus nicht. Wohl aber, was der Lüdenscheider noch offen hat – nämlich eine Freiheitsstrafe mit Bewährung und 250 Stunden soziale Arbeit wegen siebenfachen Betruges. Er hat sich Waren bezahlen lassen, aber nicht verschickt. Die Strafe dafür wird in das neue Urteil einbezogen. 18 Monate Gefängnis auf Bewährung gibt es, die 250 Arbeitsstunden müssen noch abgeleistet werden. Die Bewährungszeit läuft über vier Jahre.

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