Amtsgericht verurteilt Schrott-Trio

LÜDENSCHEID - Sie haben an der Bräuckenstraße alte Maschinen zur Schraubenherstellung aufgeladen und mitgenommen. Das bestreiten die beiden großformatigen Schrotthändler aus Münster und ihr Helfer nicht....

Und auch die Sache mit den Kupfer- und Starkstromkabeln aus der leeren Fabrik scheint klar zu sein. Warum also diese Anklage wegen Diebstahls? Weil: „Die Angeklagten haben im Unrechtsbewusstsein gehandelt, sie hatten einen Diebstahls-Vorsatz“ – sagt der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

An diesem Punkt scheiden sich im Gerichtssaal die Geister. Denn neben dem Trio aus Münster sitzt ein vierter Angeklagter, Lüdenscheider und angeblicher Hausmeister in der Industriebrache. Er hatte ein paar Räume als Lager gemietet und vom Besitzer einen Generalschlüssel bekommen. Das etwas „rustikale Äußere“ des Mannes, wie Amtsrichter Thomas Kabus es formuliert, hätte die „Schrottis“ warnen müssen. „Es muss klar gewesen sein, dass man es hier nicht mit einem Berechtigten zu tun hat.“

Wie auch immer: Der „Schlüsselgewaltige“ lässt die Münsteraner nicht nur herein, sondern – samt Maschinen und anderer Beute – auch wieder hinaus. Ob er sogar beim Laden geholfen hat – „ich weiß es nicht mehr“, sagt ein Zeuge, ein Schwager der Brüder. Die thronen auf den Stühlchen neben ihren Anwälten – je knapp zwei Meter groß, 130 bis 140 Kilo schwer, Elvis-Frisuren mit langen Koteletten, Arme wie Keulen, anspruchsarm tätowiert – Männer, die auf der Straße keine Gegner haben. Aber jetzt brauchen sie Hilfe. Die Rechtsanwälte Arnd Katzke, Rolf Holthaus und Axel Grüber legen sich ins Zeug. Sie fordern Freisprüche für ihre Mandanten, verweisen auf das hohe Alter und den schlechten Zustand der Maschinen und darauf, dass der „Hausmeister“ den Münsteranern erlaubt habe, alles mitzunehmen. Der bestreitet das. Er habe nur von seinem eigenen Schrott gesprochen. Sein Rechtsanwalt Dirk Löber erwirkt die Einstellung seines Verfahrens – immerhin gegen Ableistung von 200 Sozialstunden.

Bleiben die großen Brüder und ihr Helfer. Richter Kabus lässt den Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ für sie nicht gelten. Sie hätten sich angesichts der Situation vergewissern müssen, dass die teuren Metalle dem Mann mit dem Schlüssel auch wirklich gehören. Dass sie ansonsten einen Diebstahl begehen, haben sie nach Überzeugung des Richters billigend in Kauf genommen.

Das Schrott-Trio wird zur Zahlung von jeweils 1000 Euro verurteilt. Die Strafverteidiger denken über eine Berufung nach. - Olaf Moos

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