22-Jähriger auf Abwegen

Flucht im Hafturlaub: Mann will Geld eintreiben und bedroht zwei Frauen

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein 22-Jähriger nutzte einen Hafturlaub zur Flucht und beging gleich die nächsten Straftaten.

Für gerade einmal 22 Lebensjahre hat der Mann „schon eine steile Karriere hingelegt“, wie Strafrichterin Kristina Thies formuliert. 

Bis Februar 2021 bleibt der Lüdenscheider sowieso noch inhaftiert, wegen gemeinschaftlichen Raubes, seine vierte Verurteilung. Jetzt kassiert er wegen versuchter Erpressung und Beleidigung einen „Nachschlag“: weitere sieben Monate ohne Bewährung. 

Im August vergangenen Jahres nutzt der 22-Jährige einen Hafturlaub zur Flucht und treibt sich in der Stadt herum, ohne Perspektive, aber mit einem Ziel. Er will die 2800 Euro zurück haben, die er angeblich einem Kumpel geliehen hat. 

„Ich hatte Geldnot“, sagt er. Doch sein Schuldner sitzt selber im Knast und ist nicht flüssig. Am Telefon verweist er den Gläubiger an seine Schwester, „die gibt dir das Geld“. 

Also schreibt der geflohene Häftling der Frau eine Nachricht. Er wolle jetzt die 2800 Euro, „sonst passiert dir und deiner Mutter was“. Kurze Zeit später trifft er die Frau am Vogelberg und beschimpft sie als „polnische Hure“ und „Schlampe“. Sie geht zur Polizei. Zweieinhalb Monate später sitzt der Lüdenscheider wieder hinter Gittern. 

Im Saal E 29 des Amtsgerichts ist es vorbei mit der Großspurigkeit des Kriminellen. Strafverteidiger Gerd-Oliver Salzmann aus Hagen hat seinen Mandanten zuvor „eingenordet“. 

Nun sitzt der junge Mann vor der Richterin, legt ein volles Geständnis ab und sagt: „Es tut mir wirklich sehr leid.“ Ihm seien die Nerven durchgegangen. 

Doch Kristina Thies liest dem Angeklagten die Leviten. „Ob Ihr Bekannter wirklich Schulden bei Ihnen hatte, ist mir völlig egal. Dessen Schwester wusste jedenfalls nichts davon.“ 

Entscheidend sei, sagt auch Amtsanwalt Markus Deasecar, „dass die Geldforderung gegenüber der Zeugin zu Unrecht bestand“. Damit ist der Tatbestand der versuchten Erpressung erfüllt. Rechtsanwalt Salzmann fordert eine „milde Geldstrafe“ für seinen Mandanten. 

Der Rest ist ein pädagogisches Gespräch. Die Richterin fragt: „Wie stellen Sie sich denn Ihre Zukunft so vor?“ Der Angeklagte antwortet leise: „Auf jeden Fall besser! Ich möchte aus meinem Leben was machen.“

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