Mann drängt Opfer in dunklen Flur

Sexueller Übergriff bei großem Unternehmen: Frau schließt sich im Klo ein

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein Industriearbeiter in einem großen Lüdenscheider Unternehmen hat sich sexuelle Übergriffe auf eine junge Aushilfskraft erlaubt - mit juristischen Konsequenzen.

„Sie wirkt wie ein glückliches junges Mädel, das mit beiden Beinen im Leben steht“, sagt der Vorsitzende des Schöffengerichts, Andreas Lyra. 

Nur jetzt, im Zeugenstand, als Opfer sexueller Übergriffe eines ehemaligen Arbeitskollegen in einer großen Lüdenscheider Firma, jetzt vergießt die 24-Jährige Tränen und kann das Zittern ihrer Hände nicht verbergen. Doch der Angeklagte, 48 Jahre alt, Familienvater und seit 28 Jahren im Unternehmen, streitet alle Vorwürfe ab – und schweigt ansonsten. 

Es ist der 14. August 2017, die Studentin hat einen Job als Sommeraushilfe ergattert, die Nachtschicht bringt schönes Geld. Sie arbeitet mit einem Mann zusammen, der laut Strafverteidiger Volkan Atik nur „beschützende und väterliche Gefühle“ für die hübsche Aushilfe hegt. 

Das äußert sich anfangs in vermeintlichen Hilfestellungen – etwa, indem er seine Hand auf die ihre legt, um ihr bei der Arbeit zu helfen. Sie sagt zu ihm: „Das kann ich schon alleine.“ Dann muss sie mit ihm Waren aus einem Lager beschaffen. 

Im Fahrstuhl umarmt er sie und küsst sie auf den Hals. Sie sagt: „Ich habe ihn mit Kraft wegstoßen müssen.“ Schließlich, auch davon sind das Gericht und Staatsanwältin Claudia Kersebaum überzeugt, drängt der verheiratete Arbeiter die zierliche Frau in einen dunklen Flur, umfasst sie von hinten und berührt sie unsittlich. 

Minuten später schließt sich das Opfer weinend auf einer Toilette ein und versucht, mit dem Handy eine Freundin zu erreichen. Arbeitskollegen kommen hinzu, die Geschichte spricht sich rum im Betrieb. Eine Personalreferentin schaltet sich ein. 

Inzwischen haben sich langjährige Kollegen von dem 48-Jährigen abgewandt, berichtet Rechtsanwalt Atik. Dessen überaus wortreiches Plädoyer auf Freispruch für seinen Mandanten gipfelt in dem Satz: „Ob man einer weinenden Frau mehr glaubt als einem Mann, dem es auch nicht gut geht, stelle ich ins Ermessen des Gerichts.“ 

Richter Lyra nennt das Aussageverhalten der 24-Jährigen „zurückhaltend“, „konstant“, „sehr authentisch“ und „komplett glaubwürdig“. Der Angeklagte, noch nicht vorbestraft, wird zu 16 Monaten mit Bewährung und einer Geldauflage von 1500 Euro verurteilt. 

Die Studentin lächelt erleichtert. Der Richter rät ihr, mit ihren Eltern über die Geschichte zu sprechen. Das war ihr bisher einfach zu peinlich.

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