Viel Ärger um ein betagtes „Schmuckstück“

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Symbolbild

Lüdenscheid - Der Zivilprozess lief schon, aber bevor der 52-Jährige Schaden anrichten konnte, ist sein Trick aufgeflogen.

Eine Unterschrift unter einem Kaufvertrag war nicht echt. Jetzt verurteilte Strafrichter Andreas Lyra den Frührentner wegen erwiesener Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. 

Genau so viel kostet ein alter Wohnwagen, den der Angeklagte im Dezember 2015 per Internet-Auktion ersteigert. Verkäufer ist ein Mann aus Mönchengladbach. Der ist so nett und bringt dem Lüdenscheider das „Schmuckstück“, wie er es nennt, nach Hause. Es gibt einen Handschlag, ein Bündel Banknoten, der Handel ist perfekt. 

Aber nur fast. Denn der Käufer will ein paar Monate später einen Schaden geltend machen, den jemand dem Caravan zugefügt hat. Angeblich wurde das „Schmuckstück“ mit rohen Eiern beworfen. Ein zivilrechtliches Verfahren rollt an. 

Der Frührentner legt einen Kaufvertrag mit der angeblichen Unterschrift des Mönchengladbachers vor. Der aber sitzt jetzt im Zeugenstand und sagt: „Ich habe nie einen Vertrag bekommen und nie irgendwas unterschrieben.“ 

Der Mann mit dem rheinischen Dialekt ist empört über die „unverschämten Lügen“ des Angeklagten. Ja, er habe mal einen Anruf aus Lüdenscheid und auch Kurznachrichten auf sein Handy gekriegt. „Aber ich wollte nichts unterschreiben.“ 

Der Angeklagte, verteidigt von Rechtsanwalt Holger Becher, bleibt bei seiner Version. Er will einen Vertrag am Computer verfasst, ausgedruckt und per Einschreiben ohne Rückschein nach Mönchengladbach geschickt haben. Dann sei eine Kopie des Kontraktes unterzeichnet zurückgekommen. „Ich habe an der Echtheit nicht gezweifelt.“ 

Der Zeuge: „Ich werde langsam richtig sauer.“ Und lauter zum Angeklagten: „Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, alles zuzugeben.“ 

Richter Lyra hat einen Experten für Handschriftenuntersuchungen mit einem Gutachten beauftragt. Manfred Philipp aus Idstein im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis hat sich Unterschriften von dem Wohnwagen-Verkäufer und dessen Frau besorgt und mit dem Schriftzug auf dem Vertrag verglichen. 

Eine sichere Aussage, so der Sachverständige, sei aber nicht möglich. Doch mit einer 75-prozentigen Wahrscheinlichkeit „spricht einiges dafür“, dass die Unterschrift weder von dem Mönchengladbacher noch von seiner Frau stammt. 

Das stützt den Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft. Deren Vertreter Jan Muckelmann hält den Angeklagten für überführt. Vor allem die Tatsache, dass der Zeuge „nichts davon hat und keine Vorteile daraus zieht, wenn er lügt“, wiegt schwer. Auch für den Richter ist „noch nicht mal ansatzweise eine Motivation des Zeugen erkennbar“, den 52-Jährigen zu belasten. 

Der Angeklagte schließt sich dem Antrag seines Verteidigers auf Freispruch an. Er hat bereits zwei Vorstrafen im Register: eine wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und eine wegen des Besitzes von Kinderpornos.

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