Urteil gesprochen

Schläge gegen die Lebensgefährtin: Altenpfleger vor Gericht

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Lüdenscheid - Ein 39-jähriger Altenpfleger hat sich der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Er streitet alle Vorwürfe ab. Der Strafrichter glaubt dem Opfer jedoch mehr.

Sich um die Schwachen und Hilflosen zu kümmern, das ist sein Beruf. Doch privat zeigt der Altenpfleger ein anderes Gesicht. 

Er streitet zwar ab, seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung mit Faustschlägen ins Gesicht traktiert und ihr Haare ausgerissen zu haben. Doch Strafrichter Andreas Lyra glaubt dem Opfer mehr – und verurteilt den hünenhaften Mann zu sechs Monaten auf Bewährung und 1000 Euro Geldbuße. 

Was schon mal gewesen ist, nennt er „olle Kamellen“. Ein paar Vorstrafen, er habe immer alles zugegeben, diesmal nicht. Die Trennung von seiner Partnerin vor sieben Jahren muss hässlich gewesen sein. Sie hatte schon ein Kind von ihm, war mit dem zweiten schwanger. 

Da schlug er ihr auch ins Gesicht, sie hatte das Kind dabei auf dem Arm. Für eine weitere Körperverletzung 2015 wurde er verurteilt. Jetzt sagt er: „Ich finde das unfair. Warum soll ich für etwas belangt werden, was ich nicht getan habe?“ Sie sei halt hysterisch geworden, „da habe ich die Wohnung verlassen, und das war's“. 

Die Frau im Zeugenstand ringt um Fassung. Sie berichtet, am 15. März sei es um Unterhaltszahlungen gegangen. „Es ist dann zügig eskaliert, ich habe wohl was gesagt, was ihn aufgeregt hat.“ Es seien immer die gleichen Abläufe, er habe sich einfach nicht unter Kontrolle. Und: „Er hatte immer mehrere Frauen.“ 

Als Polizisten die junge Mutter aufsuchen, ist der Schläger schon weg. Ein Beamter sagt: „Sie hatte frische Gesichtsverletzungen, ein Auge war schon zugeschwollen.“ Es habe schon öfter Einsätze in der Wohnung der Frau gegeben. Sie hat sich die Verletzungen nicht ärztlich attestieren lassen. 

Richter Lyra stellt eine „Kontrollüberlegung“ an, wie er sagt. Aber: „Dass sie sich selbst verletzt, um Ihnen eine zu pinnen – es fällt mir schwer, mir das vorzustellen“. Die Zeugin sagt: „Ich möchte, dass er belangt wird, aber ich sitze zwischen den Stühlen. Er ist ja der Vater meiner Kinder.“ Und sie habe gelernt, weitere Ausschreitungen nicht mehr zu provozieren. 

Der Verurteilte schweigt, springt auf und stapft schnaubend vor Wut aus dem Saal.

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