Gewerbsmäßiger Betrug

Sammler sauer: Schleich-Figuren bei Ebay eingestellt - und nie geliefert

Ebay
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Ebay (Symbolbild)

Lüdenscheid - Schleich-Figuren und Kinderbücher hat er im Internet verkauft. Doch er hatte die Waren gar nicht. Kassiert hat er trotzdem.

Er sagt, er habe es jetzt verstanden – nach 14 Vorstrafen, 15 Jahren Heroinkonsum, Trennung von Frauen und Kindern, Arbeits- und Obdachlosigkeit. „Irgendwann muss mal Schluss sein! Ich bin jetzt 40 und werde langsam alt.“ 

Also hat er im Attendorner Knast, wo er zuletzt eine viermonatige Ersatzfreiheitsstrafe absitzen musste, angefangen, sein Leben neu zu ordnen. Das bringt ihm immerhin einen „Rabatt“ bei der Strafzumessung ein. 

Strafrichter Thomas Kabus verurteilt den Lüdenscheider zu einem Jahr und zwei Monaten mit Bewährung – wegen gewerbsmäßigen Betruges in fünf sowie gewerbsmäßigen Diebstahls in zwei Fällen. 

Vor ein paar Jahren, erzählt der Angeklagte, habe er mal im Internet Schleich-Spielfiguren verkauft, „da haben sich ganz viele Interessenten gemeldet“. Die Figuren gingen weg „wie warme Semmeln“. 

Aber als der Verkaufserlös ausgegeben ist, muss weiter Geld für Drogen her. Also stellt er die Waren erneut ins Internet, fünfmal. Wieder ist das Interesse groß. Wer den Zuschlag erhält, freut sich, bezahlt per Online-Anweisung – und wartet vergeblich auf seine Figuren. 

So hat sich der ledige Mann, Vater zweier Kinder von zwei Frauen, innerhalb eines Monats rund 600 Euro ergaunert. Auch zwei Ladendiebstähle in der Innenstadt deklariert ihm die Justiz als Beschaffungskriminalität. 

Der Angeklagte: „Ich gebe alles zu, weil’s der Wahrheit entspricht.“ Anfang vergangenen Jahres ist für den Mann ein Tiefpunkt erreicht. Er verliert komplett den Halt. Arbeitslosengeld oder Hartz IV hat er nicht beantragt. 

Strafverteidiger Andreas Trode aus Iserlohn meint über seinen Mandanten: „Ein richtig armer Kerl.“ Richter Kabus fragt: „Von was haben Sie denn gelebt?“ Antwort des Angeklagten: „Von nix!“ 

Eine Geldstrafe aus einer früheren Verurteilung kann er nicht bezahlen. Eine Wohnung hat er sowieso nicht. Also tritt er brav seine Haftstrafe an. 

Dann die Wende. Im Knast lässt er seine Methadon-Dosis schrittweise verkleinern, „abdosieren“ nennt er das. Außerdem löst er sich aus seiner alten Szene in Lüdenscheid und sucht sich Hilfe für die Zeit nach der Haftentlassung. 

Er findet sie im Wohnheim Haus Rupprechtstraße in Köln, wo Männer, die unter Bewährung stehen oder aus der Haft entlassen wurden, stationär betreut untergebracht sind. Selbst die Staatsanwältin bescheinigt dem 40-Jährigen, „auf einem guten Weg“ zu sein. 

Der Richter unterbietet ihren Antrag mit seinem Urteil noch um vier Monate.

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