Beweislage zu dünn: Freispruch für 56-Jährige

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Lüdenscheid - Eine vermeintliche Ladendiebin muss sich vor dem Strafrichter verantworten. Doch Lücken in der Indizienkette lassen keine Verurteilung zu. Die Frau wird freigesprochen.

Es klingt nach einer ausgebufften Masche. So ausgebufft, dass eine strafrechtliche Verantwortung kaum nachzuweisen ist. 

Mag sein, dass Strafrichter Andreas Lyra eine durchtriebene Ladendiebin vor sich hat. Doch die 56-Jährige, von Beruf Krankenschwester und einmal wegen Diebstahls vorbestraft, streitet jede Schuld ab, verlässt sich auf ihren streitbaren Verteidiger – und bekommt ihren Freispruch, aus Mangel an Beweisen. 

Die Staatsanwaltschaft geht von folgendem Trick aus: Die Frau soll in der Dortmunder Filiale des Kaufhauses TK Maxx Waren – zum Beispiel Seifenspender – gekauft haben. Dann, so der Vorwurf, habe sie die Preisetiketten davon abgeknibbelt und sei mit denen zum TK Maxx in Lüdenscheid gegangen. 

Angeklagte streitet alle Vorwürfe ab

In der Filiale am Rathausplatz habe sie die Dortmunder Etiketten auf ähnliche Waren geklebt, die sie dann in ihrer Tasche verstaute, um sie mithilfe der Kassenbons aus Dortmund umzutauschen. 

Die Version der Angeklagten lautet: Nein, sie habe festgestellt, dass einer der Seifenspender aus Dortmund beschädigt war, den habe sie in Lüdenscheid umtauschen wollen. Vorher habe sie hier in den Auslagen nachgeschaut, ob es ein ähnliches Design gibt. 

Und als sie die beschädigte Ware zum Vergleich aus ihrer Tüte nahm, „waren zwei Preisschilder abgefallen, die waren noch in der Tüte, ich habe sie wieder angeklebt“. 

"Sabber draufgemacht und aufgeklebt"

Ein Ladendetektiv will beobachtet haben, wie die Frau „an den Sachen rumgefummelt hat“. Dann habe sie Preisschilder aus der Tasche geholt, „Sabber draufgemacht und aufgeklebt“. Bilder aus der Videoüberwachung belegen, dass die Kundin tatsächlich „rumgefummelt“ hat. Der Staatsanwalt sagt: „Ich finde das auch komisch. Aber ich sehe hier nichts, was den Vorwurf tatsächlich rund macht.“ 

Laut Rechtsanwalt Dirk Löber zeigt das Video „genau das, was meine Mandantin zu Protokoll gegeben hat“. Es gebe keine logisch nachvollziehbare Beweiskette. 

Strafrichter Lyra spricht die Angeklagte frei. Vieles spreche dafür, „dass Sie bescheißen wollten“, und es bleibe „ein gewisses Geschmäckle“. Aber die fragliche Ware ist längst weiterverkauft, die Quittungen aus Dortmund sind vernichtet. 

Für eine Verurteilung müsse sich die Beweiskette lückenlos schließen lassen. Das sei in diesem Fall nicht möglich.

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