Schizophrenen Mann ausgeraubt? Vorwurf noch unbewiesen

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Lüdenscheid - Ein Pärchen, 30 und 23 Jahre alt, soll einen psychisch schwer kranken Mann  in einer städtischen Notunterkunft ausgeraubt, bedroht und genötigt haben. Der Prozesstag endet ohne Urteil, die Hauptverhandlung muss mangels Zeugen unterbrochen werden.

Der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsrichter Andreas Lyra, offenbar fußballinteressiert, beginnt den Prozesstag mit einem launigen Spruch. „Dann wollen wir Tag Eins nach dem Trauerspiel gestern mal gebührend zelebrieren.“ 

Dann ist es aber auch schon vorbei mit der guten Laune. Auf der Anklagebank sitzt ein Pärchen: wegen räuberischen Diebstahls, Bedrohung und Nötigung. Die beiden sollen einen psychisch Kranken um Geld, Lebensmittel und eine Halskette gebracht haben. 

Die Geschichte spielt im Milieu am unteren Rand der Gesellschaft. Der Angeklagte (30) – arbeits- und wohnungslos, Vater fünf unehelicher Kinder von drei Frauen – lebt mit seiner Freundin (23) in einer städtischen Notunterkunft. Dorthin laden sie am 30. Juli ihr mutmaßliches Opfer ein. 

Laut Staatsanwaltschaft durchsuchen sie den an einer Schizophrenie leidenden 38-Jährigen, stehlen ihm unter wüsten Drohungen 50 Euro aus dem Portemonnaie, behalten dessen Einkäufe für sich, zwingen ihn, mit ihnen zum Bankomaten zu fahren und 100 Euro abzuheben – und behalten auch diese Summe für sich. 

Im Zuschauerraum nehmen derweil zwei stämmige Polizeibeamte Platz. Der Angeklagte sagt: „Das war alles auf freiwilliger Basis.“ Der Typ habe Drogen von ihm kaufen wollen, „er ging mir damit auf die Nerven“. 

Und ja, er habe am Bankomaten Geld genommen und zugesagt, was zu besorgen. „Aber ich verkaufe keine Drogen.“ Das Geld habe er behalten. Und seine Partnerin? „Sie war dabei, hat aber nix damit zu tun.“ 

Ein gesetzlicher Betreuer und ein Krankenpfleger geleiten den 38-Jährigen aus dem betreuten Wohnen in den Gerichtssaal. Richter Lyra hat Mühe, mit dem Mann ins Gespräch zu kommen. 

Der wiederholt seine Angaben gegenüber der Polizei – stockend, flüsternd, schwitzend, mit gesenktem Blick. Der Angeklagte habe ihn zur Herausgabe des Portemonnaies gezwungen und dazu, die Tour zur Bank mitzumachen. „Du kommst mit, sonst hole ich das Messer raus“, habe der 30-Jährige gesagt. 

Es fehlen Zeugen. Der Prozess wird unterbrochen. Die beiden stämmigen Polizisten stehen auf und vollstrecken wegen einer anderen Sache einen Haftbefehl gegen den Angeklagten: Ersatzfreiheitsstrafe, wegen 1000 Euro, also rund zwei Monate Haft. 

Der 30-Jährige ist verdutzt. „Im Ernst? Da weiß ich gar nix von.“ Und wird abgeführt.

Der Prozess wird am 19. Juli, 9 Uhr, im Saal 122 fortgesetzt.

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