Bewährung für betrügerischen  Versicherungsmakler

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Symbolbild

Lüdenscheid - An der Schuld des heute 59-jährigen Versicherungsmaklers war von vornherein nicht zu rütteln – auch dank seines Geständnisses.

Demnach hatte der Vertragsvermittler Unterschriften auf 43 Policen gefälscht und damit von einem großen Versicherungskonzern satte Provisionen kassiert. Nach ersten Berechnungen entstand ein Vermögensschaden in Höhe von knapp 236 000 Euro.

Nun fiel vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Thomas Kabus das Urteil: zwei Jahre mit Bewährung. 

Für die Prozessbeteiligten war es eine elende Rechnerei, die tatsächlich ergaunerte Summe zu ermitteln und zu bestimmen, was der Angeklagte an Wiedergutmachung leisten muss. Denn die Provisionen über rund 5000 Euro pro Vertrag sind zunächst nicht komplett an den Versicherungsmakler gegangen, sondern nur zu 90 Prozent. 

Der Rest wurde in einer sogenannten Storno-Reserve auf einem gesonderten Konto geparkt – und sollte erst zur Verfügung stehen, wenn die Versicherungsbeiträge für den Konzern Gewinne abwerfen. 

Strafverteidiger Dirk Löber ließ in dem dreitägigen Prozess nichts unversucht, die Rechtsfolgen für seinen Mandanten erträglich zu halten. Denn dem 59-Jährigen drohte zusätzlich zu einer Freiheitsstrafe die Sanktion des Wertersatzeinzuges – also die Beschlagnahme von privaten Geldmitteln in der Höhe des angerichteten Schadens. 

Gleichzeitig setzte der Angeklagte seit Prozessbeginn alles daran, für die Wiedergutmachung möglichst viel Geld zusammenzukratzen. Zwei Beträge hat der Anwalt des Konzerns bereits verbucht. Noch am 2. Januar überwies der Lüdenscheider ihm die dritte Portion: 55 000 Euro. 

Damit sind insgesamt 105 000 Euro geflossen. Die Storno-Reserve eingerechnet, sind nach Berechnungen des Gerichts „nur noch“ 6000 bis 10 000 Euro offen. Die Staatsanwältin verzichtet trotz des Vorwurfs der „erheblichen kriminellen Energie“ auf die Durchsetzung des Wertersatzeinzugs. 

Als Bewährungsauflage muss der 59-Jährige 7200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Dazu kommen Gerichts-, Anwalts- und Vollstreckungskosten – und sicher das Ende seines Lebens als Geschäftsführer und Versicherungsmakler.

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