Augenblicksversagen mit dramatischen Folgen

Angeklagte nach Unfall: "Es war ganz furchtbar"

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Lüdenscheid - Es war ein sogenanntes Augenblicksversagen einer Autofahrerin, aber die Unfallfolgen für einen 61-jährigen Radfahrer sind dramatisch.

Trotzdem stellte der Strafrichter am Amtsgericht das Verfahren gegen eine 41-jährige Lüdenscheiderin gegen Auflagen ein.

Wie viel ist die Gesundheit eines Menschen wert? Eine Frage, die wohl niemand beantworten kann. 

Trotzdem müssen sich Versicherungen und Anwälte nach einem schweren Unfall am Vogelberg noch über Schadensersatz und Schmerzensgeld streiten. Strafrechtlich aber ist die Sache für die 41-jährige Angeklagte ausgestanden. 

Strafrichter Thomas Kabus stellt das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung ein – gegen Zahlung von 1500 Euro an die Deutsche Herzstiftung. Auch davon wird der 61-jährige Lüdenscheider nicht mehr gesund. 

Die Folgen des Sturzes am 12. Januar auf der Wilhelm-Kattwinkel-Straße sind zu gravierend. Die Frau will ihre Kinder mit dem Auto zum Kindergarten fahren, überholt einen Fahrradfahrer, parkt am rechten Straßenrand und öffnet die Fahrertür. 

Der Radler prallt vor die Türkante und stürzt mit dem Kopf auf den Asphalt. Er trägt keinen Helm. Der Mann erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma, landet auf der Intensivstation des Klinikums, hat bis heute keine Erinnerung an den Unfall und nach den Worten seiner Tochter erst im September realisiert, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. 

Die Angeklagte hält mühsam ihre Tränen zurück. „Es war ganz furchtbar.“ Sie habe sich schon tausendmal gefragt, warum sie vor dem Öffnen der Tür nicht in den Rückspiegel geschaut habe. 

Richter Kabus bezeichnet die Tragödie als Folge eines „Augenblicksversagens“. Es stellt sich die Frage nach der „sinnvollen Rechtsfolge“, sagt der Richter. Und: „Rücksichtslosigkeit liegt hier ganz sicher nicht vor.“ 

Die 41-Jährige berichtet, dass sie den Schwerstverletzten im Krankenhaus besuchen wollte, die Familie um Entschuldigung gebeten und ihre Handynummer hinterlassen hat. „Aber noch mal hinzufahren, das habe ich mich ehrlich gesagt nicht getraut.“ 

Das Verfahren ist ohne Urteil eingestellt. Nun beginnt die zivilrechtliche Abwicklung des Falls.

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