Vier Monate ohne Bewährung für Fahrt ohne "Lappen"

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein 33-jähriger Arbeitsloser ist ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss Auto gefahren. Dafür muss er jetzt eine Strafe absitzen. 

So ratlos hat man Strafrichterin Kristina Thies selten gesehen. „Was soll ich denn mit Ihnen machen?“, fragt sie den Angeklagten (33). „Gefängnis?“ Der Lüdenscheider zuckt kurz mit den Schultern. „Wär’ nicht so gut!“ 

Trotzdem: Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unter Drogeneinfluss verurteilt sie ihn zu vier Monaten Freiheitsstrafe – ohne Bewährung. Das ist die Quittung für einen unerfreulichen Lebenswandel. 

Neun Einträge im Strafregister hat der Mann – verteidigt von Rechtsanwalt Andreas Trode – bereits angesammelt. Für Besitz und Handel mit Rauschgift war er zuletzt in Untersuchungshaft und war zu 16 Monaten mit Bewährung verurteilt worden. 

Die illegale Spritztour durch Gevelndorf leistete er sich während der Bewährungszeit. Die Bewährungshelferin hat keinen Bericht verfasst. Sie teilt dem Gericht schriftlich mit: „Ich kenne ihn gar nicht.“ Der Klient hatte keinen einzigen Gesprächstermin bei ihr wahrgenommen. Die Richterin: „Warum nicht?“ Der Angeklagte: „Keinen Bock!“ 

Die Sozialprognose fällt entsprechend negativ aus. Richterin Thies sagt: „Sie haben gegen alle Auflagen verstoßen. Ich habe keinerlei positive Ansätze gefunden.“ Arbeitslos ist er, hat drei Lehren angefangen, drei abgebrochen, vier Kinder, zu denen er nach eigenen Angaben keinen Kontakt hat. 

Von was er denn nun lebe, will die Richterin wissen. Vielleicht von Hartz IV? Der 33-Jährige bleibt wortkarg. „Von nichts.“ Er wohne bei seiner Freundin. „Die hält mir schon Moralpredigten.“ 

Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis ist inzwischen ein weiteres Verfahren anhängig, diesmal vor dem Amtsgericht Meinerzhagen. Einen Führerschein hat er übrigens noch nie gehabt. Jetzt also vier Monate „ohne“, dazu 16 Monate wegen der alten Drogensache. 

Die nächste Zukunft sieht düster aus für den 33-Jährigen.

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