Amtsgericht: Kein Urteil gegen Familienvater

LÜDENSCHEID - Trauriger Endpunkt einer Ehe statt Fanal: Das Lüdenscheider Amtsgericht hat das Verfahren gegen einen alkoholkranken Familienvater gegen eine Geldstrafe von 300 Euro eingestellt.

Der arbeitslose Busfahrer (44) sitzt vor Strafrichter Andreas Lyra und schluchzt. „Das bricht mir das Herz. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal hier lande.“ Der Angeklagte habe seinen kleinen Sohn mehrfach grob angefasst und seine Tochter „Schlampe“ genannt, heißt es in der Anklage. Aber offenbar ist der Prozess eher trauriger Endpunkt einer Ehe als juristisches Fanal. Die junge Frau des Busfahrers hat die Anzeige erstattet.

Der bislang unbescholtene Mann beteuert seine Unschuld. Er sei Judoka und habe „von kleinauf gelernt, was Respekt, Fairness und Achtung vor Menschen“ heißt. Seine Kinder darf er einmal im Monat sehen, unter Aufsicht, im SOS-Kinderdorf. Er gibt zu, „mal ein paar Bierchen“ gekippt zu haben. „Aber meine Frau stammt aus einer Trinkerfamilie. Wenn ich zwei getrunken hatte, machte sie gleich vier daraus.“ Und seine Schwiegereltern hätten ihn sowieso nie leiden können, „ich bin halt nur Berufskraftfahrer“. Erst nach der Trennung habe er richtig zur Flasche gegriffen. Jetzt habe er eine Therapie in Spielwigge begonnen, „die tut mir richtig gut“.

Der Richter erspart den Kindern den Auftritt vor Gericht. Und auch die Ehefrau braucht nicht auszusagen. Das Verfahren wird gegen Zahlung von 300 Euro eingestellt. - omo

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare