Amtsgericht: Beweisstücke unauffindbar

Lüdenscheid - Mitte April war die Wahrheitsfindung schon einmal ins Stocken geraten. Die Frage, ob ein ungestempeltes Autokennzeichen eine Urkunde ist, bleibt unbeantwortet. Auch im zweiten Versuch, das Verfahren gegen einen 51-jährigen Lüdenscheider abzuschließen, bleibt Geduld gefragt.

Der vorbestrafte Arbeitslose soll geklaute Autokennzeichen an seinen Wagen geschraubt haben (wir berichteten). Er sagt, er habe die Nummernschilder im hessischen Korbach vor einem Baumarkt zufällig im Gebüsch gefunden und einfach mitgenommen. Dann brachte er sie an seinem roten Renault Twingo an, der unangemeldet auf einem Parkplatz an der Bräuckenstraße rumstand. „Damit er nicht abgeschleppt wird.“

Im Polizeiprotokoll findet sich eine Aussage, nach der er erst später gemerkt habe, dass die Kennzeichen nicht entstempelt sind.

Einer Polizeistreife fiel der Wagen auf. Die Beamten prüften die Zulassung und lüfteten das Geheimnis. Ganz zufällig übrigens stammten die Korbacher Kennzeichen ebenfalls von einem roten Twingo. Dazu zuckt der Angeklagte mit den Schultern. Strafrichter Lyra mutmaßt, dass es „nie geklärt wird, ob die Schilder entstempelt waren“. Denn die Beweisstücke wurden zwar sichergestellt, sind aber aus dem Polizeiarchiv verschwunden – nicht mehr auffindbar.

Strafverteidiger Dominik Petereit könnte mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen leben – mit weniger nicht. Denn im Falle einer Verurteilung seines Mandanten droht der Widerruf einer Bewährung und der Vollzug einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe wegen Betruges. Jetzt geht das Verfahren aber in eine dritte Runde. Die aufmerksamen Polizisten sollen geladen werden, außerdem der Twingo-Besitzer aus Korbach. Neuer Termin von Amts wegen.

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