Amtsgericht: Kleiner oder großer „Zickenkrieg“

Lüdenscheid - Es geht um einen jungen Mann. Und um drei Frauen. Zwei von ihnen waren in ihn verliebt. Die eine (25), Schwesternschülerin, „unsterblich“, sagt sie. Sie sitzt auf der Anklagebank. Die andere (19), ohne Job, auf dem Zeugenstuhl.

Die angehende Krankenschwester soll ihr mit der Faust die Nase gebrochen haben. Auch sonst ging es nicht zimperlich zu – woran die Mitangeklagte (22), eine Pflegehelferin, wohl ihren Anteil hat. Strafrichter Andreas Lyra sagt: „Es gab einen mehr oder weniger kleinen oder großen Zickenkrieg.“

Doch wie so oft nach Disko-Schlägereien macht die Wahrheitsfindung Probleme. Wer sich an was erinnert oder erinnern will, passt auch diesmal nicht überein-ander. Die 19-Jährige berichtet von einem Faustschlag, den sie im Getümmel von der 22-Jährigen bekommen haben will. „Das habe ich nur gekühlt, aber nicht angezeigt.“ Die mutmaßliche Angreiferin streitet den Hieb ab.

Der begehrte junge Mann, erfährt Richter Lyra, hat die 19-Jährige mal erhört, mal hat er „die Sache“ beendet. Eine unstete Beziehung also, die die „unsterblich“ verliebte aus der Ferne und sehr traurig beobachtet. „Es war immer Stress mit ihm“, sagt die Zeugin. Deshalb will sie ihn zur Rede stellen. Zum Beispiel cocktail-benebelt morgens früh neben der Disko am Rathausplatz. Statt einer Klärung gibt es einen Schubser von der Freundin der Konkurrentin.

Die Angelegenheit eskaliert am 3. Januar 2015. Abermals ein Versuch, „was zu klären“, auf dem Parkplatz vor einer Wohnung diesmal, wieder morgens sehr früh. Aber die angeklagten Freundinnen sind auch zugegen. Von der ersten „habe ich eine gescheuert gekriegt“, von der anderen „einen auf die Nase“. Ob es wirklich so war, ist kaum zu klären. Die 25-Jährige sagt, sie habe ihrer Mitbewerberin „die Tür vor der Nase“ zugeschlagen. „Vielleicht hat sie die Tür vor den Kopf gekriegt.“ Aussage gegen Aussage.

Der Richter folgt dem Vorschlag von Strafverteidigerin Julia Kusztelak, die auf „Befriedung“ drängt. Die angehende Krankenschwester zahlt ein Schmerzensgeld von 1800 Euro an die Verletzte, ihre Freundin 400 Euro an einen gemeinnützigen Verein. Das Verfahren wird eingestellt.

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