Amtsgericht: Keine konkrete positive Erwartung

LÜDENSCHEID ▪ Ein Urteil wegen gewerbsmäßigen Handels mit Heroin hat er sich unter anderem schon ins Kerbholz geritzt. Die Bewährungsfrist läuft noch bis 2014. Er hat’s nicht geschafft. Wegen zweifachen Diebstahls, davon in einem Fall mit Waffen, wegen Urkundenfälschung und versuchten Betruges verurteilte das Schöffengericht einen 42-jährigen arbeitslosen Klempner gestern zu acht Monaten Freiheitsentzug – ohne Bewährung.

Die erheblichen Drogenprobleme sind in seinem Strafregister abzulesen – und auf seinem aschfahlen Gesicht. Seit eineinhalb Jahren, sagt er, bemühe er sich um einen Therapieplatz. „Aber das ist heutzutage gar nicht mehr so einfach, einen zu kriegen.“ Die Mühe allein aber reicht nicht aus, sagt Amtsrichter Thomas Kabus. „Wir müssen eine konkrete positive Erwartung haben.“

Davon ist das Schöffengericht aber meilenweit entfernt. Denn mit den neuen Straftaten während der laufenden Bewährung hat er sich den Weg in die Freiheit verbaut – obwohl es sich um vergleichsweise läppische Taten handelt. In einem Supermarkt hat er drei Flaschen Tennessee-Whisky eingesteckt und dabei ein Klappmesser am Gürtel – Diebstahl mit Waffen. Für einen Kindergarten hat er Spenden gesammelt und sie für sich behalten. Beim Sozialamt hat er versucht, sich Leistungen zu ergaunern. Und in einem weiteren Laden waren es sechs Dosen Kaffee.

Immerhin: Sollte er einen Therapieplatz bekommen, müsste er die Haft nicht antreten.

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