Verstoß gegen „Fernhalte-Verfügung“ nicht geahndet

Amtsgericht: Kein Urteil gegen traurigen Busfahrer

Lüdenscheid - Kristina Thies gibt die Friedensrichterin. „Ich freue mich ja immer, wenn Ruhe im Karton ist“, sagt sie zu den Prozessbeteiligten. Und erwägt, das Verfahren gegen den 60-Jährigen Busfahrer „schlank zu beenden“, wie sie formuliert.

Als Oberamtsanwalt Hans Dieter Lehmann zustimmt, stellt die Strafrichterin die Sache ein. Es ging um einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz – eine „Fernhalte-Verfügung“, wie Juristen sagen.

Seine Arbeitskollegin, 30 Jahre jünger als er, hatte am 26. Mai per einstweiliger Anordnung einen Gerichtsbeschluss erwirkt. Danach darf der Mann ihr nicht näher kommen als 20 Meter, und er darf sie nicht ansprechen. In der Anklageschrift steht jedoch, am 9. Juli sei er mit einem Bus hinter ihr her gefahren, sei ihr in die Werkshalle gefolgt und habe auf sie eingeredet.

Der Busfahrer schaut die Richterin traurig an. „Ich habe doch gar nichts Schlimmes gemacht.“ Aus dem Auto heraus habe er gesehen, dass etwas mit ihr nicht stimmt. „Ich habe gefragt: Geht es dir nicht gut? Und sie hat geantwortet: Ich habe Bauchschmerzen.“ Richterin Thies streng: „Also haben Sie sie angesprochen!“ Der Angeklagte senkt den Kopf. „Das war mein Fehler, das gebe ich zu.“

Der Hintergrund der Geschichte wird in diesem Prozess nur stückchenweise sichtbar. Der Busfahrer und seine junge Kollegin sind ein Paar gewesen, heißt es. Immer mal wieder. Streit, Versöhnung. Trennung, Umarmung. Anzeige, Aussprache. Hin und her. Und dann die „Fernhalte-Verfügung“.

Aber ein Abstand von 20 Metern „ist gar nicht möglich“, ruft der 60-Jährige der Richterin zu. „Das Büro ist doch nur so klein.“ Das hat auch der Arbeitgeber eingesehen und eine Vereinbarung getroffen. In der steht, dass „berufliche Kontakte akzeptiert“ werden. Er möchte auf die beiden nicht verzichten.

Und die Frau möchte nicht auf ihren Liebhaber verzichten und ihn für sich allein. Doch er ist verheiratet, erzählt er im Gerichtssaal. Und möchte seine Ehefrau nicht verlassen. „Sie ist seit einem Schlaganfall gelähmt und liegt im Bett.“ Die 30-Jährige sagt: „Jetzt ist Ruhe zwischen uns.“ Das Verfahren wird eingestellt. Der Busfahrer ist immer noch traurig.

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