Amtsgericht: Kaum etwas übrig von den Vorwürfen

Lüdenscheid - Die Staatsanwaltschaft hat schwere Geschütze aufgefahren gegen die beiden Angeklagten. Der eine – 32 Jahre alt, Fabrikarbeiter ohne Vorstrafen – soll ein gewalttätiger Drogenhändler sein. Sein Kumpel (28) steht wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen unter Anklage.

Unter anderem soll der 28-Jährige einem Widersacher ein Messer ins Gesicht gerammt haben. Am Ende des Prozesses jedoch, als alle verfügbaren Zeugen ihre Erinnerungslücken und Widersprüche zum Besten gegeben haben, sagt Staatsanwalt Dr. Marco Klein: „Viel ist von den Vorwürfen nicht mehr übrig geblieben.“

Im Frühjahr 2014 soll der ältere der beiden Männer einen kleinen Kiffer an der Ludwigstraße in einen Hinterhalt gelockt haben. Als der 26-jährige nach einem Telefonanruf aus einer Wohnung vor die Tür kommt, wird er von einem Täter festgehalten. Ein zweiter, heißt es in der Anklageschrift, sagt „Du hast Mist gebaut“. Und der zehnfach vorbestrafte Mitangeklagte schlägt ihn mit der Faust mehrfach ins Gesicht.

Der Staatsanwalt ist wie der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsrichter Thomas Kabus, überzeugt, dass die Tat eine Vorgeschichte hat, dass es sich um eine Fehde im Drogenmilieu handelt. Doch das Opfer der Hiebe sagt: „Ich weiß bis heute nicht, warum.“ Er sei auch nicht beim Arzt gewesen danach. „Ich war zu der Zeit nicht krankenversichert.“ Und Anzeige hat er nachweislich auch nicht erstattet. Zudem bringt der Zeuge, wie Strafverteidiger Gerd Oliver Salzmann aus Hagen ihm nachweist, Zeitabläufe durcheinander.

Vorgeschichte und Rahmengeschehen hin oder her – nachweisbar ist den Angeklagten diese Tat nicht. Sie schweigen beharrlich. Auch der Vorwurf des Drogenhandels gegen den Fabrikarbeiter lässt sich nicht aufklären. Nur der Besitz. Fast ebenso verhält es sich mit einer Keilerei in Schalksmühle, bei der der 28-jährige zugeschlagen und mit einem Messer zugestochen haben soll.

Drei junge Männer treffen – nach einem zünftigen Wodka-Gelage – am Abend des 4. September auf drei andere junge Männer. Es wird „rumgepöbelt“, wie Dr. Klein sagt. Eine Faust fliegt, ein kräftiger Arbeiter greift ein – und blutet aus einer Wunde in der Wange. Ein Messer hat niemand gesehen. Einfache Körperverletzung also. Die Angeklagten werden jeweils zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt.

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