Amtsgericht: „Ab jetzt musst du Angst haben“

Lüdenscheid - Selbstständig will er sich demnächst machen. Er sagt: „Handyreparaturen und so.“ Ein Jahr Arbeitslosigkeit ist ihm genug. Das klingt solide. Aber erstmal muss sich der 29-Jährige wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Schöffengericht verantworten. Eine Beziehungskrise war ihm wohl zu viel geworden. „Da sind mir die Sicherungen durchgebrannt.“

Die Ex-Freundin (25) schildert im Zeugenstand die Qualität der Liebesbeziehung. „Es war so’n On-Off-Ding, mal so, mal so.“ Ihr Freund habe von ihr „Sachen erfahren, die auch von mir nicht korrekt waren“. Es ging um ihren Hang zu Nebenbuhlern. Der Angeklagte sagt, es seien „andere Männer im Spiel“ gewesen. An einem Abend sei er dann zur Tankstelle gefahren, „Hochprozentiges kaufen“. Er sei gar nicht er selbst gewesen in der Nacht darauf, „und dann habe ich diese Sachen geschrieben“.

Nur Beleidigungen, das reicht ihm offenbar nicht. In mehreren SMS-Botschaften fordert er Geld, erst 1500, dann 2000 Euro, anderenfalls bringe er sie um oder schicke sie auf den Strich, tippt er in sein Handy. „Antworte, sonst komme ich und klatsche dich weg. Ab jetzt musst du Angst haben.“ Warum er Geldforderungen mit den Drohungen verbindet, „kann ich nicht beantworten“, sagt der Angeklagte zu Richter Thomas Kabus. „Ich war betrunken.“

Die junge Frau sagt, sie habe keine Angst mehr. Man habe sich schon wieder mal getroffen, „und ich habe ja auch überreagiert“. Strafverteidiger André Schiffner sagt, sein Mandant sei nicht auf das Geld aus gewesen, und „es gab auch keine Gewalttaten“. Die Richter werten das Verbrechen als Beziehungstat. Kabus: „Auch die Zeugin hat Fehler gemacht.“

1200 Euro Geldstrafe, so lautet das Urteil. Der 29-Jährige ist einverstanden.

Von Olaf Moos

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