Amtsgericht: Irgendwie aus der Vaterrolle gerutscht

Lüdenscheid - 10, 15, 16, 17, 18, 24 – so alt sind seine sechs Kinder. Doch aus der Rolle des fürsorglichen Vaters ist der Berufskraftfahrer (51) irgendwie rausgerutscht. Er ist geschieden und zahlt keinen Unterhalt, weil er seit einem Jahr nur noch Krankengeld bezieht, 940 Euro im Monat. Immer mehr Alkohol, dubiose Bekanntschaften und die ersten Straftaten prägen sein Dasein. Vorläufiger Tiefpunkt ist die aktuelle Anklage wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.

Am Abend des 11. Mai rufen entnervte Nachbarn die Polizei. Aus dem Fenster seiner Wohnung, heißt es, werfe der Mann Gegenstände auf die Straße – Tassen, Teller, Flaschen. Und durch das offene Fenster dröhne Musik. Die Streife rückt an.

In der Anklageschrift steht, der Mann habe auf Aufforderung, zu öffnen, nicht reagiert und seine Wohnungstür mit Möbeln verbarrikadiert. Der Angeklagte sagt: „Ich habe weder was aus dem Fenster geschmissen noch irgendwelche Barrikaden gebaut.“ Vielmehr habe er friedlich auf der Couch gesessen und Fernsehen geguckt. Ja, und seine Musik sei auch gelaufen. „Ich höre immer Musik am offenen Fenster.“

Strafrichter Andreas Lyra spart sich die Frage, wie denn beides gleichzeitig geht, Glotzen und Musik. Warum Möbel vor der Tür stehen, dafür gibt’s auch eine Erklärung. „Ich hatte die Küche abgebaut und in die Ecke gestellt, ich wollte umziehen.“

Klar ist aus Sicht der Ankläger jedenfalls, dass die Polizisten die Wohnungstür ein Stück aufdrücken und hineinschlüpfen können. Und dass der Mieter sich gegen die Fesselung gewehrt hat. Doch der streitet ab. „Die haben geklopft und sofort die Tür eingetreten, und ruckzuck lag ich auf dem Boden.“ Im Gespräch sind noch Vorwürfe wegen Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung oder Sachbeschädigung.

Ein Polizist soll aussagen, ist aber im Urlaub. Sein Kollege könnte aussagen, war aber nur bei der mutmaßlichen Widerstandshandlung zugegen. Es fehlt eine Einschätzung der Ärzte des Remscheider Tannenhofs, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie. Und es geht um eine Bewährungsstrafe wegen zweifachen Betruges, zehn Monate auf Widerruf. Eine lange Beweisaufnahme droht. Neuer Termin von Amts wegen.

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