Amtsgericht: „Ich schneide dir die Beine ab“

Lüdenscheid - Im Saal 122 des Amtsgerichts brennt die Luft, wie man so sagt. Strafrichter Andreas Lyra muss mal wieder zwischen den Fronten ehemals Verliebter und heutiger Feinde Recht sprechen. Diesmal geht es um Bedrohung in Tateinheit mit Beleidigung. Vermutlich ist da jemand in seinem Stolz verletzt.

Wie schon in den anderen Verfahren, in denen der 27-jährige Lüdenscheider aller möglichen Vergehen beschuldigt aber nicht nicht überführt oder gar verurteilt wurde, streitet er auch in diesem Prozess alles ab. Nein, er habe den neuen Freund seiner Ex nicht beleidigt, und bedroht schon mal gar nicht. Es gehe ihm nur um den Umgang mit dem Töchterchen, sonst nichts.

Das sieht sein Nachfolger in der Gunst der jungen Frau aber ganz anders. Der, ein Arbeiter aus Halver, berichtet im Zeugenstand, sein Vorgänger habe „ständig angerufen“. Immer sei „Stress und Palaver“. Der stehe „immer vor der Tür und kriegt seine Anfälle“. Der Zeuge wirkt schwer sauer. „Dabei will ich ihm seine Vaterrolle überhaupt nicht streitig machen.“ Er wolle doch nur seine Ruhe, sonst nichts.

Wie vergiftet die Atmosphäre tatsächlich ist, bleibt dem Richter nicht lange verborgen. Der Angeklagte fällt dem Zeugen immer mal wieder ins Wort. Der reagiert sofort gereizt. „Ich habe die Schnauze voll!“ Lyra hat Mühe, das Wortgefecht zu unterbinden, Strafverteidiger Dominik Petereit strengt sich an, den Zorn seines Mandanten im Zaum zu halten.

„Hurensohn“ soll der 27-Jährige den Halveraner am Telefon genannt haben. Das bestätigt auch die Verflossene des Angeklagten. Trotzdem beschränkt der Richter das Verfahren auf die Bedrohung. Und sieht die Schuld des Angeklagten diesmal als erwiesen an.

Denn „Ich bringe dich um“ oder „Ich mache dich fertig“, das seien so Standard-Bedrohungen, sagt Andreas Lyra. Aber „Ich schneide dir die Beine ab“, wie der Zeuge wiedergibt, das sei „gar nicht klassisch“ – und spreche für die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen. Mit seiner Einschätzung, hier stehe Aussage gegen Aussage, bleibt Petereit allein. Das Urteil des Strafrichters: 1200 Euro Geldstrafe.

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