Freispruch nach Unfallflucht: Familie des Angeklagten stützt Alibi

Lüdenscheid - „Hilf mir, Papa, das Auto muss verschwinden.“ So soll es in einer Handybotschaft des Angeklagten geheißen haben. Und kurz zuvor soll Sohnemann (39) seinen Opel Astra an der Winkhauser Straße „zerlegt“ und dabei eine Hauswand und eine Bushaltstelle demoliert haben. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Unfallflucht.

Doch der Lüdenscheider streitet alles ab. Er habe den Wagen vor dem Unfall bereits verkauft. An wen, will er nicht sagen. Sein Verteidiger, der Altenaer Rechtsanwalt Patrick Vanderschmidt, bietet eine Reihe von Zeugen auf. Es sind Familienmitglieder seines Mandanten. Sie entlasten ihren Verwandten natürlich.

Mit einer Ausnahme. Der als „Papa“ bezeichnete Zeuge darf die Aussage verweigern und tut das auch. Sonst müsste er womöglich über die SMS-Botschaft seines Sohnes sprechen. Der Rest verschafft dem Angeklagten ein Alibi, Tatzeit 7. März, 21.46 Uhr. Denn, so ist sich die Familie einig, er war im Kreise seiner Lieben bei einer Geburtstagsfeier Unterm Freihof, vom Abendessen bis nach Mitternacht, ununterbrochen. Und seine Schwester sagt: „Ich habe ihn danach nach Hause gefahren.“

Doch mehrere Indizien sprechen gegen den schweigsamen Angeklagten. Denn Polizisten, die den zerbeulten Astra eine Stunde nach dem Unfall am Brahmsweg, in der Nähe des Freihofs, entdeckten, fanden im Handschuhfach den Führerschein und den Reisepass des 39-Jährigen. Die Staatsanwältin sagt: „Solch wichtige Papiere würde man doch vermissen und den Verlust melden.“ Vanderschmidt hält dagegen: „Den Reisepass braucht man kaum, und wer schaut schon regelmäßig nach, ob sein Führerschein noch da ist?“ Die Anklägerin beharrt: „Es ist kein unbekannter Dritter ersichtlich.“ Vanderschmidt verweist auf die Zeugen und kontert: „Die Schuld ist nicht erwiesen.“

Das sieht Strafrichter Thomas Kabus auch so. Starke Indizien sprächen gegen den Angeklagten. „Aber reicht das? Nach der Beweisaufnahme steht fest: So gerade eben nein!“ Es sei kein sicherer Rückschluss auf die Schuld des Angeklagten möglich. Das Urteil lautet: Freispruch.

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