Amtsgericht: Hausmeister streitet alles ab

LÜDENSCHEID ▪ Eigentlich ist er überführt. Und zwar mit einer fast vernichtenden Sicherheit. Aber der 35-jährige Hausmeister streckt Strafrichter Andreas Lyra die Handflächen entgegen. „Damit habe ich nichts zu tun.“ Winzige Zweifel an seiner Schuld bleiben. Also wird das Verfahren ausgesetzt – und weiter ermittelt.

Die Polizeibeamten, die nach dem Einbruch in einen Imbiss in der Nacht zum 1. April Spuren sichern, finden etwas Blut. Es klebt, inzwischen schwarz und eingetrocknet, am Türrahmen, ganz in der Nähe der Hebelspuren. Das Landeskriminalamt beauftragt ein Institut in München mit der Gen-Analyse. Und siehe da, die 31-jährige Biologin, extra per Zug aus der bayrischen Landeshauptstadt angereist, sagt: „Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft stammt die Spur von dem Angeklagten.“ Auf Lyras Frage, wie sicher das sei, antwortet sie mit der Zahl 1 zu 1 Billion.

Das beeindruckt den Hausmeister offenbar nicht im Geringsten. „Das kann überhaupt nicht sein.“ Na, klar sei er in dem Laden gewesen, sagt er. „Ich habe drei Mal pro Woche da gegessen.“ Vielleicht habe er die Tür ja auch kurz vor dem Einbruch angefasst, „vielleicht habe ich vorher Steine getragen und mich beim Pflastern an der Hand verletzt“.

Der Imbiss-Betreiber (44) kennt den Angeklagten tatsächlich. „Ungefähr einmal im Monat isst der bei mir.“ Bei dem Einbruch seien die Kabel seiner Alarmanlage durchtrennt, die Tür kaputtgemacht und ein Spielautomat geknackt worden, berichtet er. Und geht von etwa 2000 Euro Schaden aus.

Zu dem Spielautomaten fällt einem der Polizisten noch etwas ein. „Im Inneren des Automaten haben wir zwei Fingerspuren gesichert.“ Eine davon sei brauchbar. Der Angeklagte sagt, „ein- bis zweimal im Jahr“ werfe er mal einen Euro in den Automaten, „wenn ich auf den Döner warte“. Dass der Fingerabdruck in dem Automaten von ihm stammt, „das kann gar nicht sein. Ich weiß 100-prozentig, ich war nicht da“. Da nützt auch das Angebot des Oberamtsanwaltes nichts, der im Gegenzug zu einem umfassenden Geständnis einen Antrag auf eine kurze Freiheitsstrafe anbietet.

Nun wird die Fingerspur aus dem Polizeiarchiv geholt und verglichen. Neuer Termin von Amts wegen.

omo

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