Amtsgericht: Gefahr für den Familienfrieden

Lüdenscheid - Strafrichter Peter Alte spricht von einem „gewichtigen Vorwurf“. Vor ihm sitzt ein Hüne, von Beruf Fitness-Fachwirt, 45 Jahre alt, und macht einen verstörten Eindruck. Die Anklage lautet auf Bedrohung. Er soll seiner Frau ein Messer an den Hals gehalten und „Du lachst mich nie wieder aus“ gesagt haben. Strafverteidiger Dirk Löber bittet um ein Gespräch hinter geschlossenen Türen.

Die Beratungspause ist vorbei. Der Angeklagte äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Oberamtsanwalt Hans Werner Lehmann geht davon aus, dass die Tat am 2. August, abends um 21.20 Uhr, beobachtet wurde, und zwar von dem zweijährigen Kind des Paares. Es gibt ein weiteres Kind, fünf Jahre alt. Bleibt also nur noch die Vernehmung der Ehefrau.

Das Paar lebt getrennt voneinander. Das Familiengericht hat bereits Entscheidungen getroffen. Sieben Tage kümmert sie sich um den Nachwuchs, dann sieben Tage er. Die Scheidung steht bevor. Sie arbeitet, er bekommt rund 700 Euro Trennungsunterhalt von ihr. Richter Alte fragt den Angeklagten nach der aktuellen Stimmung zwischen den Noch-Eheleuten. Der 45-Jährige antwortet: „Derzeit absolut ruhig.“

Kein Wunder, denn vor der Familienrichterin haben die Eheleute 18 Tage nach dem angeblichen Vorfall in der Küche „umfangreiche Vereinbarungen getroffen“, wie Richter Alte aus den Akten weiß. Unter anderem ein gegenseitiger strikter Kontaktverzicht. Der Frieden ist formal hergestellt, aber starke Gefühle machen ihn brüchig.

Deshalb möchte der Richter am liebsten „keine intensive Befragung“ riskieren. Die Angaben der Noch-Eheleute im Ermittlungsverfahren seien ja schon „sehr widersprüchlich“ gewesen. Das Strafverfahren könnte „den Familienfrieden deutlich belasten“, so Peter Alte. „Die möglicherweise stabile Situation könnte sehr gefährdet werden – mit ungewissem Ausgang.“ Er erklärt der Ehefrau, dass er das Verfahren einzustellen gedenkt. Sie reagiert mit dem Vorwurf, ihr Mann halte sich nicht an die Kontaktsperre. „Er schreibt Briefe an Freunde und Bekannte.“

Rechtsanwalt Löber packt seine Akten zusammen. Es gibt kein Urteil, keine Geldauflagen für seinen Mandanten. Der Hüne wirkt erleichtert. Alte: „Wir hoffen, dass jetzt Ruhe herrscht.“

Von Olaf Moos

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