Amtsgericht: Fiese Tricks im Sorgerechtsstreit

Lüdenscheid - Ein Streit ums Sorgerecht für zwei Kleinkinder treibt illegale Blüten. Der Vater ist vorbestrafter Drogendealer, die Mutter mit einem „hilfsbereiten“ Kraftfahrer liiert. Der betätigt sich in bester Polizisten-Manier als „Agent Provocateur“, der den Gegner zu einer strafbaren Handlung provoziert, um ihn anschließend zu überführen.

Von Olaf Moos

Der Angeklagte (32), von Beruf Verpacker mit kleinstem Einkommen, beteuert, er habe seit September 2011, also seit seiner Verurteilung wegen 25-fachen Erwerbs illegaler Rauschmittel, nichts mehr mit dem Zeug zu tun. Warum Polizisten dann Ende November ‘13 rund zehn Gramm Amphetamine in seiner Wohnung finden, ist eine selten erzählte Geschichte.

Der wortkarge Kraftfahrer berichtet im Zeugenstand eher zögerlich, er habe einen Scheinkauf eingefädelt. Er muss aufpassen, dass er sich nicht selbst belastet, sonst ist er der Nächste auf der Anklagebank. Der Angeklagte wiederum sagt, er habe einen Anruf von seinem Kunden gekriegt. Wenn er seine Kinder wiedersehen wolle, müsse er das „Pep“ besorgen. Der 32-Jährige geht darauf ein. Es kommt zum Übergabetermin, das verbotene Zeug liegt auf dem Tisch, da sagt der vermeintliche Kunde: „Oh, ich habe das Geld vergessen“, will schnell zum Bankautomaten und verschwindet. Gleichzeitig ruft die Mutter der Kinder die Polizei.

Die Fall schnappt zu. So kommt es zu einer Anklage wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln.

Die Staatsanwältin gesteht zu, dass der Angeklagte sich „in einer emotionalen Zwangslage“ befunden habe. Strafverteidiger Heiko Kölz lobt die Vertreterin der Anklage und sagt, diese Formulierung gefalle ihm sehr gut. Sein Mandant sei von einem „Agent Provocateur“ reingelegt worden, habe keine Gewinnabsicht gehabt und sei finanziell „sowieso nicht auf Rosen gebettet“, da dürfe man „bei Sanktionen nicht so hoch greifen“.

Strafrichter Andreas Lyra hat ein Einsehen. Der Zeuge habe die Straftat initiiert, damit seine Freundin im Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex bessere Karten habe. Übrig bleibt unerlaubter Drogenbesitz. Urteil: 1400 Euro Geldstrafe.

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