Amtsgericht: Fausthiebe aus Eifersucht

Lüdenscheid - Hat seine Freundin Händchen mit einem anderen Jungen gehalten? Gab es eine Umarmung? Oder gar einen Kuss? Nichts von alledem. Trotzdem wurde ein 19-Jähriger einmal mehr handgreiflich und kassierte weitere Sozialstunden.

„Die standen nebeneinander, und ich hab’s gesehen.“ Das reicht dem 19-jährigen. Es ist auf der Kirmes, es ist der 24. Mai, und der Wüterich hat „einen im Tee“, wie man so sagt. Und fällt mit Fausthieben und Ohrfeigen über den vermeintlichen Nebenbuhler her.

Und weil er zwei Freunde, die dem Verletzten beistehen, mit dem Satz „Ich steche euch ab“ bedenkt, klagt ihn Staatsanwalt Michael Burggräf nicht nur wegen vorsätzlicher Körperverletzung, sondern obendrein wegen Bedrohung an.

Der Angeklagte, breitschultrig und in fleckiger Handwerkerkluft vor Strafrichter Jürgen Leichter erschienen, senkt den Kopf. „Ich habe ein bisschen überreagiert.“ Der Typ sei mit seiner Freundin auf der Kirmes gewesen, „da wurde ich eifersüchtig“.

Staatsanwalt Burggräf freut sich über den Umstand, dass nicht er derjenige war, der an diesem Tag zufällig neben dem Mädchen gestanden hat. „Das hätte ja auch sein können.“ Und Richter Leichter ermahnt den jungen Mann: „Sie sollten etwas zurückhaltender sein!“ Immerhin habe die Freundin „das Recht, neben jemandem zu stehen und sich zu unterhalten“.

Die Ermahnung zu mehr Gelassenheit kommt nicht von ungefähr. Im vergangenen Jahr hat sich der Wüterich mit 1,6 Promille im Blut eine Keilerei mit Polizisten geliefert und sie wüst bedroht. Dafür brummte ihm Richter Leichter 40 Sozialstunden auf. Für seinen Ausraster auf dem Rummel gibt’s jetzt 60 Stunden obendrauf. Burggräf hatte 100 beantragt.

Der 19-Jährige gelobt Besserung. Er hat kaum genug Geld zum Überleben, aber immerhin eine Ausbildungsstelle und die Chance auf Übernahme. Und er wohnt mit seiner Freundin zusammen. Der Empfänger der Prügel ist nicht vor Gericht erschienen. Dafür muss er jetzt ein Ordnungsgeld von 150 Euro bezahlen.

Von Olaf Moos

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